Unser Leitartikel:
Abschreckende Strafen müssen her

Die Mitarbeiter, oder besser gesagt die ehemaligen Beschäftigten des Familienbetriebs Boon wissen seit Mittwoch nun endlich wo sie dran sind. Was sich angedeutet hatte, jedoch nur auf Gerüchten beruhte oder dem Personal nur über Telefon mitgeteilt worden war, ist seit zwei Tagen offiziell: die verschiedenen Gesellschaften, die der Firmenchef für nur ein paar Geschäfte gegründet hatte (?!), sind allesamt insolvent. Eine Wiederaufnahme der Geschäftsaktivitäten kommt demnach nicht mehr in Frage. Die Mitarbeiter sind ihren Job endgültig los, befinden sich demnach auf der Straße.

Allerdings die Art und Weise, wie sie abserviert wurden, ist und bleibt eine Schweinerei. So kann und darf man mit Menschen nicht umspringen. Es kann doch nicht sein, dass Beschäftigte derart wehrlos der Willkür eines Firmenchefs ausgeliefert sind.

Was der Fall Boon einmal mehr in aller Deutlichkeit gezeigt hat, ist, dass in Betrieben, die nicht mehr die gewünschten Profite abwerfen, die Schaffenden in allen Hinsichten stets die Gelackmeierten sind. Nicht nur, dass in punkto Entlohnung das Patronat sowieso stets beide Füße auf dem Bremspedal hält, nein, immer häufiger kommt es heutzutage vor, dass den Mitarbeitern geschuldete Löhne ganz einfach vorenthalten werden. Was in unseren Augen einem Diebstahl gleichkommt. Der zudem meist noch ungestraft bleibt. Da im Kapitalismus die bestehenden Gesetze nicht im Interesse der Schaffenden sind.

Es kann doch nicht sein, dass sich einerseits Firmenbesitzer während Jahren auf Kosten ihrer Mitarbeiter mächtig bereichern, diese jedoch je nach Gutdünken rücksichtslos auf die Straße setzen (dürfen), wenn das »goldene Huhn« mal weniger abwirft.

Deshalb müssen Gesetze her, die dem Patronat deutlich die Grenzen aufzeigen, die es keinesfalls zu überschreiten gilt. Dazu gehört in erster Linie, dass Schaffenden, die ihre Arbeitskraft verkaufen, der geschuldete Lohn nicht vorenthalten werden darf. Geschieht dies dennoch, dann muss sofort die Justiz einschreiten können und sowohl saftige wie auch abschreckende Geldstrafen nicht nur androhen, sondern mit sofortiger Wirkung auch verhängen.

Es kann doch nicht sein, dass Firmenbesitzer ihre Schäfchen während Jahren ins Trockene bringen können, jedoch weder persönlich, noch mit ihrem Privatbesitz zu haften haben, wenn die Firma, der sie vorstehen, den Schaffenden Gelder schuldet oder gar den Bach hinunter geht. Nicht selten wegen Misswirtschaft und durch eigenes Verschulden.

In gleichem Maße wie sich die Krise weiter zuspitzen wird, werden sicherlich auch die Probleme zunehmen. Dabei kann es einem schon heute echt bange um jene Lohnabhängigen sein, die nicht durch Kollektivverträge abgesichert sind oder in Betrieben schuften, in denen es keine gewerkschaftliche Präsenz gibt. Und ohne Kollektivvertrag arbeiten immerhin fast die Hälfte aller Beschäftigten. Deshalb müssten ohne Umwege auch die Interventions- und Sanktionsmöglichkeiten der Gewerbeinspektion ausgeweitet werden.

Wie wichtig solche »Waffen« im Interesse aller Lohnabhängigen sein könnten, hat der Fall Boon wohl zur Genüge gezeigt.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Freitag 16. Januar 2009