Aufstand der Kumpel

Seit vier Wochen streiken die Arbeiter in den Bergbaugebieten Spaniens

In den nordspanischen Bergbaugebieten endet dieser Tage die vierte Streikwoche der dortigen Kumpel. Unterstützt von zahlreichen anderen Einwohnern der spanischen Provinzen Asturien, Kastilien und León sowie Aragón protestieren die Bergleute gegen eine von der Regierung in Madrid geplante radikale Kürzung der Staatsbeihilfen für den Industriezweig. Der Verlust von zwei Dritteln des Geldes aus Ma­drid werde zur Schließung zahlreicher Minen, zu Massen­entlassungen und letztlich zum »Tod des Bergbaus in Spanien« führen, kritisieren auch die Gewerkschaften CCOO und UGT, die den Ausstand aktiv unterstützen.

Zimperlich sind die Streikenden nicht, wenn es darum geht, auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Straßenblockaden, das Behindern des Zugverkehrs und der Bau von Barrikaden gehören seit Streikbeginn zum Alltag in vielen Ortschaften. Dabei trotzen die Bergleute auch der Polizei, die mit Gummigeschossen und Tränengasgranaten gegen die Protestierenden vorgeht. Die antworten nicht nur mit Steinen, sondern auch mit Feuerwerksraketen, die aus selbstgebauten Vorrichtungen abgeschossen werden.

Die Bestätigung der Kürzungspläne durch den Senat am Dienstag vergangener Woche änderte nichts an der Kampfentschlossenheit der Streikenden. Bereits am Vortag, als ein Generalstreik in den betroffenen Regionen nahezu vollständig befolgt worden war, hatte ein Streikender gegenüber der spanischen Tageszeitung »Público« angekündigt: »Alles, was keine Ablehnung der Haushaltskürzung ist, sind nur Worte, und wir Bergleute wollen keine Worte, sondern Taten.« Ziel der Regierung sei es, so der sich Alfonso nennende Mann, die »letzte kämpferische Arbeiterbewegung Spaniens zu zerschlagen«.

Die Nachrichten aus Nordspanien lassen Erinnerungen wach werden. Gerade Asturien ist für die lange Tradition seiner Arbeiterbewegung bekannt. Legendär wurde im Oktober 1934 ein Aufstand der Bergleute gegen das reaktionäre Regime von Alejandro Lerroux. Dieser wurde zwar von der gesamten spanischen Linken, deren Hauptkraft damals die anarcho-syndikalistische CNT war, unterstützt, doch die vom späteren Putschisten und Diktator Francisco Franco geführten Regierungstruppen schlugen die Rebellion blutig nieder. 28 Jahre später, 1962, war Asturien trotzdem Ausgangspunkt der ersten großen Streikbewegung gegen die faschistische Diktatur.

André Scheer

Dienstag 26. Juni 2012