Unser Leitartikel:
Allen Jugendlichen einen Lehr- oder Arbeitsplatz!

Nachdem das Patronat im März kaum Interesse an der »Jobbörse« zeigte und sich in den Luxexpo-Hallen auf Kirchberg 18.500 bei der Adem eingeschriebene Arbeitsuchende sowie die Sekundarschüler der beiden letzten Schulklassen noch nicht einmal 50 auf den »Journées nationales de l’emploi« ausstellenden Betrieben gegenübersahen, haben sich Regierung, Patronat und Gewerkschaften nun auf den sogenannten Konzertierungsgesprächen zur Fortsetzung des am 6. Mai abgehaltenen »nationalen Beschäftigungsgipfels« erneut mit der Jugendarbeitslosigkeit auseinandergesetzt.

Wieder einmal, so Arbeitsminister François Biltgen, ging es auf dem Dreiertreffen darum, »zu verhindern, daß ein Teil der etwa 2.000 Schulabgänger, die im Herbst auf den Arbeitsmarkt drängen werden, in die Arbeitslosigkeit abrutschen«. Hehre Ziele also, doch was Biltgen & Co. als Lösungsvorschläge anzubieten haben, ist geradezu lächerlich.

So soll etwa ein »guichet unique speziell für Jugendliche« Entlastung bringen, mit dem die Ministerien für Arbeit, Bildung, Hochschule und Jugend den Schulabgängern »alle Informationen zukommen lassen« wollen, »die sie benötigen, um einen Job zu finden«.

Doch wenn zur Jobbörse noch nicht einmal zehn Prozent der angeschriebenen Betriebe erschienen sind, obwohl sich die Adem eigenen Angaben zufolge gezielt an solche Firmen gewandt hat, die trotz der kapitalistischen Krise möglicherweise noch Stellen zu besetzen haben, dann zeigt dies doch, daß (Jugend-) Arbeitslosigkeit und Lehrstellenmangel nicht auf Informations- und Kommunikationsprobleme zurückzuführen sind.

Wenn sich immer mehr Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen und sich schlichtweg weigern, Auszubildende einzustellen, dann nutzt auch das beste »guichet unique für Jugendliche« nichts.

Zumindest bei der Regierung dürfte auch die vom Patronat erhobene Forderung nach Einführung eines Vertrages mit dem wohlklingenden Namen »premières expériences en entreprise« auf Wohlwollen gestoßen sein. Denn jeder Jugendliche, der in irgendeinem Praktikum oder einer ähnlichen angeblich »berufsvorbereitenden Maßnahme« geparkt ist, fällt in dieser Zeit aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik heraus.

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, daß das Patronat mit einer solchen Forderung jungen Menschen dabei helfen will, »zumindest vorübergehend eine Beschäftigung zu finden«, wie das Bistumsblatt dieser Tage schrieb. Vielmehr sieht es so aus, als würde das Patronat nach Möglichkeiten suchen, den Jugendlichen den Mindestlohn vorzuenthalten.

Wer eine solche – früher oder später alle Schaffenden betreffende – Entwicklung verhindern will, sollte am Sonntag für die Kommunisten stimmen. Auf der Liste 1 kandidieren 13 junge Menschen unter 30 Jahren, die sich unter anderem das Ziel gesetzt haben, den Mindestlohn um 20 Prozent zu erhöhen und allen Jugendlichen, die im Juli ihre Schule abschließen oder die arbeitslos sind, innerhalb von drei Monaten eine Arbeit zu vermitteln.

Oliver Wagner

Oliver Wagner : Donnerstag 4. Juni 2009