Auf Mutterkreuzfeldzug in Luxemburg

Exfernsehmoderatorin Eva Herman zu Gast bei »Famill 2000«

Gut ein Jahr nachdem der »Fall Eva Herman« die deutsche Medienlandschaft beschäftigte, kommt die beliebteste Tagesschau-Sprecherin des Jahres 2003 am heutigen Freitag nach Luxemburg. Auf Einladung der rechtskatholischen Vereinigung »Famill 2000« wird die vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit der Bemerkung, es stehe ihr frei, »ihren ‚Mutterkreuzfeldzug‘ fortzusetzen« entlassene Bestsellerautorin sich anschicken, »Perspektiven für das Familienleben in heutiger Zeit« aufzuzeigen.

Vor ihrem Rauswurf hatte Herman in zwei auflagenstarken Büchern (»Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit« und »Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen«) sowie in einem Artikel für das Politikmagazin »Cicero« ihr katholisch-reaktionäres Geschlechter- und Familienbild zum besten gegeben, das sich auch mit Vorstellungen von rechts außen verträgt. Lob aus dieser Ecke ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

Die Sprache der Nazis

Hatte die Schriftstellerin und Moderatorin Thea Dorn bereits Hermans heftig diskutiertem Bestseller »Das Eva-Prinzip« eine Nähe zu alten und neuen Faschisten nachgewiesen, indem sie Hermans Thesen und Wortwahl mit denen des im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilten Naziideologen Alfred Rosenberg verglich, so setzte Herman bei der Buchpräsentation von »Das Prinzip Arche Noah« am 6. September 2007 noch eins drauf.

In einer äußerst wirren Stellungnahme mit den deutschen Faschismus relativierenden Aussagen bezog sie sich hierbei positiv auf »Werte, Kinder, Mütter, Familien, den Zusammenhalt«, die durch die 68er-Bewegung abgeschafft worden seien und erklärte, am »Dritten Reich« sei ja vieles »schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler«, anderes aber auch gut, »zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter«. Der Skandal war perfekt, als Johannes B. Kerner sie einen Monat später aus seiner Sendung im ZDF ausschloß.

Auf einer Wellenlänge

Ihrem im Internet veröffentlichten Selbstverständnis zufolge setzt sich die Vereinigung »Famill 2000« dafür ein, daß »Erziehungs- und Betreuungsarbeit gleichgestellt werden mit Erwerbsarbeit«. In der Rubrik »Wir über uns« heißt es, »Familienarbeit« sei »die Basisarbeit der Gesellschaft«. »Die Familie ist weit mehr als eine juristische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Einheit, denn Familie bedeutet Leben, Vermittlung von Werten, Erziehung, Solidarität, Stabilität, Zukunft und letzten Endes Liebe.«

Mit einer solchen Polemik gegen die Emanzipation der Frauen und ihre gleichberechtigte Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben dürfte sich die Vereinigung mit Frau Herman einig sein, daß kleine Kinder bleibende Schäden davontragen, wenn sie für einige Stunden am Tag »fremdbetreut« werden. Und auch darin, daß Mütter für die Aufgabe der Kleinkinderbetreuung besser geeignet seien als Väter.

Eva Hermans Kernthese lautet: Eine männer- und kinderfeindliche Emanzipationsbewegung habe Frauen vergessen lassen, daß sie Frauen sind und daß ihre natürliche Rolle die Mutterschaft sei. Wer solchen Ansichten etwas abgewinnen kann, sollte sich heute abend im Mensdorfer Kulturzentrum einfinden, wo »der blonde Wertekanon von der NS-Frauenschaft« (Wiglaf Droste) ab 20 Uhr sein neues Buch »Das Überlebensprinzip. Warum wir die Schöpfung nicht täuschen können« anpreisen wird.

oe

Oliver Wagner : Freitag 16. Januar 2009