Späte Gerechtigkeit für Víctor Jara?

Die chilenische Justiz hat zwei der Mörder des chilenischen Kommunisten und Volkssängers Víctor Jara identifiziert. Die heute 54 Jahre alten damaligen Rekruten José Adolfo Paredes Márquez und Francisco Quiroz Quiroz, die einst zur Eskorte des Putschisten-Oberst Pedro Espinoza Bravo gehörten, wurden laut einer Meldung der mexikanischen Tageszeitung »La Jornada« am vergangenen Freitag nach stundenlangen Verhören offiziell verhaftet und befinden sich seither ohne Kontakt zur Außenwelt in einem chilenischen Gefängnis.

Víctor Jara war nach dem Putsch vom 11. April 1973 gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende in das Fußballstadion von Santiago de Chile verschleppt oder dort wie viele andere Unterstützer der Volksfront-Regierung mißhandelt worden. Als die Soldaten den bekannten Sänger erkannten, brachen sie ihm die Finger und schlugen mit ihren Gewehre auf sein Gesicht ein. Am 15. September wurde der so schwer mißhandelte Víctor Jara von den Schergen der Putschisten ermordet. Nun scheint endlich Gerechtigkeit für diesen populärsten Volkssänger Chiles näher zu rücken.

Die beiden jetzt verhafteten Soldaten gehörten zu Beginn des Putsches zu den Einheiten, die die Technische Staatsuniversität gestürmt und Studierende und Akademiker verhaftet und in das als riesiges Gefängnis mißbrauchte Stadion verschleppt hatten.

Víctor Jaras Witwe, Joan Turner, zeigte sich gegenüber dem chilenischen Rundfunksender »Radio Cooperativa« erfreut über die neuen Ermittlungen: »Ein Licht der sich nähernden Gerechtigkeit wächst, das hoffe ich.« Sie spüre keine Rachegefühle gegen die Mörder ihres Mannes. »Sie mußten 37 Jahre mit der Erinnerung daran leben, was sie getan haben, und zumindest einer von ihnen ist bereits geständig«, sagte sie.

Die britische Staatsbürgerin, der erst vor wenigen Tagen auch die chilenische Staatsbürgerschaft »ehrenhalber« verliehen wurde, besuchte am Dienstag den Regierungspalast La Moneda, um dort ihr Ansinnen vorzubringen, das heute nach ihrem ermordeten Ehemann benannte Stadion zu einer nationalen Gedenkstätte zu erklären. Die Regierung zeigte sich bereit, diesen Antrag zu prüfen, sagte Regierungssprecherin Carolina Tohá. (RG/ZLV)

Freitag 29. Mai 2009