RER: »Unser Konzept kostet weniger und bringt mehr«

Gegner einer Tram durch die Hauptstadt geben nicht auf

Viel Feind’, viel Ehr’: Auch wenn sie den LSAP-Transportminister, den CSV-Bautenminister, den DP-Hauptstadtbürgermeister und dessen grünen Verkehrsschöffen gegen sich haben, geben die seit Juli 2004 in der asbl »Réseau Express Régional Luxembourg« (RER) zusammengeschlossenen Gegner einer Tram durch die Hauptstadt nicht auf. Hieß es in einer von der asbl im Herbst 2004 veröffentlichten Broschüre noch, das von ihr vorgeschlagene BB-Projekt (Bus-Bahn) sei »zwar nicht billiger« als das von Regierung und hauptstädtischem Schöffenrat favorisierte BTB-Projekt (Bus-Tram-Bahn), »jedoch dürfte unter Berücksichtigung aller Kosten die Größenordnung des BTB-Projektes nicht nennenswert überschritten werden« (S. 36), so hieß es am Mittwoch, man habe noch einmal nachgerechnet und festgestellt, daß das eigene Konzept, das einen in Nord-Süd-Achse unter der Stadt verlaufenden Tunnel mit Anbindung an den Kirchberg vorsieht, sogar »weniger kostet und mehr bringt«.

»Den offiziellen Schätzungen zufolge«, so RER-Komiteemitglied Nico Bellion, »soll die ‚tram léger‘ 150 Millionen Euro kosten. In dieser Summe sind jedoch nur die Kosten für die Verlegung neuer Schienen vom Bahnhof durch das Zentrum bis zum Kirchberg enthalten.« Neben den nötigen Infrastrukturmaßnahmen, wie etwa neue Wasser-, Kanal- und Stromnetze, den Bau neuer Umsteigebahnhöfe, einer auf 400 Millionen Euro taxierten Verlegung der Messehallen sowie Kompensationsmaßnahmen für den Autoverkehr – vornehmlich auf der Pont Adolphe und der Pont G.-D. Charlotte – seien noch nicht einmal die Kosten für die Tram selbst eingerechnet.

Inklusive der berechenbaren Neben- und Zusatzkosten kommen die Tramgegner auf die stattliche Summe von 1,74 Milliarden Euro für das BTB-Projekt. Hingegen gehe die »sicherlich nicht tiefergerechnete« Basler-Studie von 1,16 Milliarden Euro Gesamtkosten für das BB-Projekt aus – der Bau eines Citytunnels inklusive. Da diese Studie aber bereits sechs Jahre alt ist, ist Bellion durchaus bereit, »diese Kosten um zehn Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zu erhöhen, um die seit 2003 angefallenen Preissteigerungen zu berücksichtigen«.

Nun hofft die asbl, daß von politischer Seite noch einmal nachgedacht wird, bevor das Gesetz nach den Parlamentswahlen in der Abgeordnetenkammer gestimmt wird. Dabei sei es sinnvoll, sich vom Ziel, den öffentlichen Transport zu verbessern, leiten zu lassen, anstatt stur an der Tram als Allheilmittel festzuhalten, so abschließend Dipl.-Ing. Georges Schummer, der Spiritus rector der Tunnelbefürworter. Immerhin sei bereits bis 2020 mit 140.000 Berufspendlern in der Stadt Luxemburg zu rechnen, die nur mit einem normalen Zug schnell und bequem zu transportieren seien.

Nur wenn der Zug die leistungsstarken und schnellen Hauptachsen des Personennahverkehrs bilde und Busse für die Feinverteilung zuständig seien, sei ein Modal Split von 40/60 in der Hauptstadt und von 25/75 im ganzen Land zu erreichen. Hingegen sei ein auf einer »tram léger« beruhendes Konzept nicht nur mit zusätzlichen Kosten, sondern obendrein mit »Erschwernissen für den Bahnbetrieb« verbunden.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 15. Januar 2009