»d’Gesondheetskeess« startbereit für den 2. Januar 2009

Laut Minister Mars Di Bartolomeo ist die solidarische Finanzierung von Krankheit und Gesundheitsförderung in Luxemburg intakt, und daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern, denn das ist ein wesentliches Element für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es gäbe keinen Unterschied zwischen arm und reich im Krankheitsfall, es gäbe keine Überholspur für Vermögende: »Jeder soll kriegen, was er braucht!«

Daß es nicht ganz so ist, wie’s der Minister vielleicht haben möchte, kam gestern zu Ende der Vorstellung der neuen Nationalen Gesundheitskasse (www.cns.lu im Internet ab 1.1.2009) bei den Journalistenfragen zu Tage: der »tiers payant« bei den Ärzten kommt auch mit der neuen Kasse nicht, die die Aufgaben der sechs Krankenkassen aus dem Privatbereich mit denen der bisherigen Krankenkassenunion bündelt (UCM, CMEP, CMO, CMEA, CMOA, CMA, CMPI und UCM), obwohl er bei den Apotheken nun schon jahrelang zur vollsten Zufriedenheit funktioniert.

Daß die Arztrechnung vorher zu zahlen ist, bevor sie abzüglich des Selbstbehalts zurückbezahlt wird, ist für Leute mit Löhnen weit unterhalb des Niveaus von Ministern und höheren Verwaltungsbeamten oftmals ein Problem. Warum die Ärzte aber lieber diesen Leuten Mahnungen schreiben, als sich wie die Apotheker aufs Inkasso des Selbstbehalts zu beschränken, bleibt ein Rätsel. Dieses Problem wird auch nicht dadurch gelöst, daß es jetzt für alle möglich wird, sich Rechnungen über 100 € sofort in einer der übers Land verstreuten Niederlassungen per Scheck auszahlen zu lassen: das setzt immer noch die vorherige vollständige Bezahlung voraus.

Und ein ausschließlich »sozialer tiers payant« schafft sicherlich mehr Probleme als gelöst werden im Verwaltungsbereich, wobei das Risiko einer negativen Abstempelung hinzukommt.

René Pizzaferri (OGB-L-Vertreter in der Gesundheitskasse) meint, der Grund liege im damit verbundenen Aus für die »convenance personelle«, die statistisch im Durchschnitt 10% des vom Arzt kassierten Geldes ausmacht. Allerdings: Mahnungen kosten auch – und bringen niemandem was.

Ein weiterer Punkt, in dem arm und reich durchaus unterschiedlichen Zugang haben, ist der Zahnbereich: die Rückzahlung ist dort, wie René Pizzaferri dankenswerter Weise betonte, »schlecht«. Er meinte, auf diesem Gebiet müsse etwas geschehen, aber auch auf jenem der »neuen Medizinen« wie Homöopathie und Akupunktur zum Beispiel. Jedenfalls kostet der Spaß die Ex-Angestellten 0,15% mehr Beitrag als bisher, ohne daß Ex-Arbeiter was sparen.

Neuer Name ist Programm

In Zukunft soll, so Minister Di Bartolomeo, viel mehr offensiv im Dienste der Gesundheit geschehen mittels Gesundheitsförderung und systematischen Vorbeugeprogrammen. Durch die Synergien der Kassenfusion des Privatsektors sieht er Mittel frei werden für diesen Bereich. Am Personalstand – 435 Vollzeitposten, die zur Zeit von 464 Leuten besetzt sind – ändert sich jedoch nichts.

Die 18 lokalen Agenturen, deren Adressen per Brief an alle Versicherten geht, sind ab 5.1.2009 von Montag bis Freitag von 8 Uhr 30 bis 11 Uhr 30 und von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Nur in Luxemburg Hollerich gibt es eine durchgehende Öffnungszeit von 8 Uhr 30 bis 16 Uhr.

Weil in diesen Agenturen, die bis auf Hollerich früher den Arbeitern vorbehalten waren, jetzt alle Versicherten des Privatsektors einschließlich Pensionisten, und für den Bereich Pflegeversicherung auch noch Staatsbedienste willkommen sind, wurde dort die Belegschaft verdoppelt für den Anfang, bis klar ist, wie sich der Besucherandrang einpendelt. Die Niederlassung Schlassgoard in Esch besteht nur noch 2009, Colmar/Berg, eine ehemalige Betriebsagentur, wo’s nur Krankengeld gab, wird sofort geschlossen.

Neue Strukturen

In hunderten von Sitzungen wurde sich auf eine neue Struktur geeinigt, mit der alle – vom Patronat übers Ministerium bis zu den Gewerkschaften – die Gesundheitskasse für gut aufgestellt halten. Zur Vorsortierung der Post wurden vier neue Adressen geschaffen. Krankenscheine sind ab 2009 ans »Département des Indemnités Pécuniaires«, L-2979 Luxemburg zu richten, Rechnungen zur Wiedervergütung ans »Département des Prestations en Nature«, L-2980 Luxemburg. Eingeworfen können sie bei jeder Agentur oder unfrankiert in jedem Briefkasten des Landes.

Daneben gibt es noch die Adresse für die Direktionen (L-2978 Luxemburg) und für die Dienstleister (B.P. 1023, L-1010 Luxemburg).

Kontrolltiger?

Die Gesundheitskasse werde kein Papiertiger, verkündete Mars Di Bartolomeo gestern bei der Vorstellungspressekonferenz. Das Patronat jedoch möchte in seiner Phobie vorm »absentéisme abusif« einen Kontrolltiger daraus machen. Patronatsvertreter François Engels beklagte sich, daß die Frage der Kontrollen im Ausland noch ungelöst ist, und auch im Inland zu Jahresbeginn ein Kontrollor weniger zur Verfügung steht als bisher.

Minister Di Bartolomeo verwies darauf, daß mit den drei Nachbarländern seit Monaten Gespräche geführt werden für Zusammenarbeit bei den Kontrollen, daß aber das Patronat wenig zu fürchten habe, werden ihm doch in einer Übergangsphase von 3 Jahren von der extra geschaffenen Mutualität die Löhne der Ex-Arbeiter am Anfang im Krankenschein bezahlt.

jmj

Sonntag 28. Dezember 2008