Belgische Zugbegleiter streiken für mehr Sicherheit

Kollege verlor bei Unfall beide Beine – Zugausfälle auch in Luxemburg

Ein Streik der Zugbegleiter bei der staatlichen belgischen Eisenbahngesellschaft SNCB hat am Montag zu Zugausfällen und Verspätungen vor allem im wallonischen Landesteil geführt. Weil zu Spitzenzeiten auch auf innerluxemburgischen Strecken – wie etwa zwischen Kleinbettingen und Luxemburg – Züge der SNCB eingesetzt werden, hatte der Streik für mehr Sicherheit auch Auswirkungen auf den Zugverkehr innerhalb Luxemburgs. Während die CFL Ausfälle in ihrem Streckennetz durch eigene Züge und Busse zu kompensieren versuchten, fielen auf der internationalen Strecke von und nach Brüssel mehrere Züge aus. Auf der Strecke von Luxemburg über Gouvy nach Lüttich gab es hingegen kaum Störungen, hieß es seitens der CFL.

Belgischen Medienberichten zufolge streikten etwa 25 Prozent der Schaffner in Lüttich wegen eines tragischen Arbeitsunfalls, der sich am Samstag im nahegelegenen Dinant (Provinz Namur) zutrug. Ein Schaffner hatte bereits das Abfahrtssignal gegeben und bis auf eine sämtliche Zugtüren geschlossen, als ein älterer Passagier versuchte, noch auf den bereits anfahrenden Zug aufzuspringen. Zusammen mit dem 70-Jährigen fiel der Zugbegleiter auf die Gleise und geriet unter die Räder. Dabei wurden ihm beide Beine abgetrennt. Der Bahnmitarbeiter schwebte gestern Mittag noch in Lebensgefahr. Der Passagier wurde schwer verletzt und verlor einen Teil eines Fußes.

Aus Solidarität mit ihrem verunglückten Kollegen legten gestern auch die Eisenbahner in den Zugdepots von Jemelle und Bertrix für einen Tag die Arbeit nieder. In Gent und Lüttich wurde ab 5.30 Uhr gestreikt. Das führte dazu, daß unter anderem zwischen Brüssel und Luxemburg am Morgen keine Züge verkehrten. Bereits als der Unfall am Samstag bekannt wurde, legten Bahnmitarbeiter aus Protest die Arbeit nieder.

Zusammen mit ihren Gewerkschaften fordern sie von der SNCB, daß technische Vorkehrungen künftig sicherstellen, daß Züge nur dann anfahren können, wenn sämtliche Türen geschlossen sind. Zudem fordern die Eisenbahner eine bessere Aufsicht auf den Bahnsteigen. Die SNCB hält sich bisher bedeckt und verweist auf die laufenden Untersuchungen zum Unglückshergang. Zudem unterstreicht sie, daß man »schon längere Zeit an einer Neubewertung der Abfahrtsprozeduren« arbeite.

oe

Oliver Wagner : Dienstag 26. Mai 2009