Schulreformen:
Déi Gréng »gegen Konfrontationslogik«
Déi Gréng betätigen sich mal wieder als »Strategen des sowohl als auch« (Franz Josef Degenhardt): Einerseits unterstützen sie einige Forderungen der Lehrergewerkschaften APESS, FEDUSE, SNE und SEW, die am Donnerstag zu einer großen Protestaktion gegen die Schulreformen der Regierung sowie die Reform des öffentlichen Dienstes aufrufen, andererseits sind sie der Meinung, »daß die Schulreform in die richtige Richtung geht«, wie ihr Parlamentsabgeordneter Claude Adam am Montag auf einer Pressekonferenz erklärte.
»Wir haben ein bißchen das Gefühl, daß die Reform in einer Sackgasse steckt«, so Adam, der gestern sogar von einer »Revolution des Schulwesens« sprach, und vor der Gefahr warnte, »daß die Revolution ihre eigenen Kinder frißt«, wenn die »Konfrontationslogik« und der »dialogue de sourds« zwischen Erziehungsministerin Mady Delvaux-Stehres und den Gewerkschaften nicht durchbrochen werde. Möglicherweise sei eine ein- bis anderthalbjährige Denkpause hilfreich.
Die bereits implementierte Grundschulreform dürfe nicht in Frage gestellt werden, sie könne aber auch nicht ohne die Lehrer umgesetzt werden, so Adam. Zum Abbau der »zum Teil mutwilligen Bürokratie« erinnern Déi Gréng an ihre Forderung nach Einführung eines Schuldirektors, der den Lehrern einen Großteil der administrativen Arbeit abnehmen könnte. Auch an die Forderung der Gewerkschaften nach einer gründlichen und mit Zahlen belegten Evaluierung der Grundschulreform schließen sie sich an.
Hinsichtlich der Sekundarschulreform kritisieren auch Déi Gréng die geplante Abschaffung der bisherigen Sektionen zugunsten von zwei Dominanten. Hingegen halten sie die »travail personnel« für »eine gute Sache«, sofern sie »zumindest zu einem Teil in der Schule angefertigt werden muß«, damit nicht ein Teil der Schüler die Hilfe ihrer Eltern oder von diesen bezahlten Nachhilfelehrern erhalten und andere nicht. Auch der Kompetenzunterricht könne unter Umständen sinnvoll sein.
Dina Ramcilovic, die neue Sprecherin des grünen Jugendverbandes, erklärte auf ihrer ersten Pressekonferenz, sie wünsche sich mehr Freiheiten für die Schüler, die sich z.B. ihren Lehrplan selbst zusammenstellen sollen.
oe
: Dienstag 20. März 2012
