Verhandlungen laufen:

Leo wird Teil von Enovos und Creos

Gestern wollte der Schöffenrat der Stadt Luxemburg den von einem Auditor zertifizierten Stromenergiemix 2008 ihrer Leo SA auf einer Pressekonferenz bekannt geben, doch das war am Ende nicht die wesentliche Information des Vormittags.

Bürgermeister Helminger versuchte zwar anhand der Zahlen, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen in Begleitung seiner Ressortschöffin Brasseur und in Abwesenheit seiner grünen Koalitionspartner, doch so schrecklich grün ist die Bilanz dann doch wieder nicht, denn insgesamt betrachtet enthält die Kilowattstunde von Leo 318 g CO2 und 0,0007 g Atommüll. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn versucht wird, für Privathaushalte eine günstigeren Mix herauszurechnen, denn solches verschlechtert dann nur das Ergebnis der gewerblichen Abnehmer.

Das ist ganz banal eine Folge davon, daß 38,89% des Leo-Stroms aus den fossilen Energieträgern Kohle und Gas sowie 21,9% aus Atomkraftwerken stammen. 1,44% stammen aus der lokalen Kraft-Wärme-Koppelung, die ebenfalls mit Gas arbeitet, von Paul Helminger dennoch zur erneuerbaren Stromerzeugung gerechnet wird.
11,54% stammen aus unbekannten erneuerbaren Quellen und wurden wie die fossilen und atomaren Positionen an Strombörsen erstanden, wobei für etwas unter 40% ihres Bedarfs die Leo SA dafür über die Cegedel-Einkäufer fuhr.

Lokale Photovoltaik liefert 0,03%, in der Schweiz eingekaufte Photovoltaik 0,002%.

18,17% stellt Wasserkraft aus Norwegen und Österreich, 4,17% Windenergie aus Norwegen und Dänemark, 3,86% Biomasse aus Finnland und Norwegen.

Als Fußnote der Geschichte sei noch festgehalten, daß Leo-Vorsitzender Jean-Paul Wagner zur Zeit um Wasserkraft aus Portugal verhandelt, und bemüht ist, neue oder erneuerte Anlagen mit ökologisch hochstehendem Standard unter Vertrag zu nehmen. Es gibt Verhandlungen, sich an erneuerbarer Stromerzeugung von deutschen und belgischen Stadtwerken zu beteiligen.

Verhandlungen kommen zügig voran

Doch wahrscheinlich wird das alles recht bald Geschichte sein, dies trotz aller Lobeshymnen auf den Ersatz von in der Hauptstadt verlorenge-gangener Marktanteile durch Gewinne wie die Gemeinden Steinsel und Fischbach, ja sogar in der BRD wettgemacht zu haben. Allein komme man in Zukunft nicht weiter, gestand jener Paul Helminger ein, der noch vor nicht allzu langer Zeit, als das noch möglich war, einem Zusammenschluß aller Gemeinden mit Strom- und Gasnetz eine Absage erteilt hatte mit der fröhlichen Bemerkung, die Hauptstadt sei allein groß genug, um bestehen zu können am freien Markt. Ist sie halt eben doch nicht: dumm gelaufen, und das vielleicht sogar noch mit voller Absicht.

Im ersten Anlauf, so wurde verraten, waren mit der Soteg Gespräche begonnen worden, die nun aber mit der Cegedel und der Saar Ferngas die Handelsgesellschaft Enovos und die Netzgesellschaft Creos bildet.
Deshalb wird jetzt mit Enovos/Creos und der Regierung verhandelt, wobei letztere der Hauptstadtgemeinde ihre Gewinne fürs Budget garantiert habe. Helminger dazu: »Hoffentlich erinnert sich die nächste Regierung daran, denn das ist eine wesentliche Voraussetzung für uns. Ohne das läuft für uns nichts.«

Nun denn. Fakt ist, daß die neue regionale Großgesellschaft einen Beitritt mit Handel und Netz verlangt, weswegen es ein Problem mit den rund 150 Beschäftigten im Bereich Strom- und Gasnetz bei der Gemeinde gibt, die das Gemeindebeamtenstatut haben.

Nur ein »elektorales Manöver«?

Die drei blauen und die zwei grünen Schöffen, die im letzten Parlament waren, hatten in weiser Voraussicht einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der die rechtliche Grundlage für eine Entsendung von Gemeindebeamten in private Gesellschaften – wie sie Enovos und Creos sind – liefern sollte. Daraus wurde ein Gesetzesprojekt der Regierung, das aber »auf Druck der Gewerkschaften«, so Paul Helminger, in der letzten Tagungswoche in letzter Minute von der Tagesordnung genommen wurde.

Helminger bezeichnet dies neben einer kopfnickenden Brasseur als »elektorales Manöver«, nachdem er erklärt hat, er verstehe die Welt nicht mehr, was da auf einer Protestveranstaltung im Bonneweger Casino am 26. des Monats ablaufen soll. Die beiden gehen vollständig auf in ihrer Liberalisierungsideologie und können sich gar nicht mehr vorstellen, daß es Leute gibt, die sich damit nicht abfinden wollen, und die sich im Gegensatz zu ihnen anstrengen wollen, um zu erreichen, daß diese Liberalisierung, die jetzt tatsächlich zur Privatisierung wird – der öffentliche Eigentümer gerät nämlich in die Minderheit –, rückabgewickelt wird.

Aber bitte: das will die DP natürlich nicht im geringsten. »Wir« brauchen die rechtliche Basis für die Entsendung, die neue Gesellschaft braucht diese Leute mit ihrer Expertise, und deshalb wird das Gesetz eben nach der Wahl im Herbst am Krautmarkt gestimmt.

Inzwischen können »wir« ja so nett sein, und der LSAP ihr elektorales Manöver gönnen, denn im November wird sie ja dann brav mitstimmen und jene verraten, die am 26. im Casino protestieren. Außer die – und alle, die so denken wie sie – begreifen das wenig feine Spiel und sie folgen in der Wahlzelle nicht blind ihrem Ehrenpräsidenten!

jmj

Samstag 23. Mai 2009