ArcelorMittal braucht Geld

EKO-Stahlarbeiter pochen auf Zusagen

Nachdem die Führung des Stahlkonzerns ArcelorMittal für dieses Jahr Dividenden in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar für die Aktionäre beschlossen hat, sollen nun 2,25 Milliarden US-Dollar (rund 1,66 Milliarden Euro) über den Verkauf von Anleihen eingenommen werden. Mit dem Erlös sollen »bestehende Schulden getilgt werden«, teilte ArcelorMittal am Donnerstag in Luxemburg mit. Der Nominalzins der Papiere, die in zwei Tranchen aufgeteilt sind und bis Mittwoch nächster Woche platziert sein sollen, liegt zwischen 9 und 9,85 Prozent.

Derweil verlangt die Belegschaft des zu ArcelorMittal gehörenden größten ostdeutschen Stahlwerkes im brandenburgischen Eisenhüttenstadt, die ehemalige EKO Stahl, konkrete Aussagen der Konzernführung zur angekündigten Stillegung des großen Hochofens und drei weiterer Anlagen. Der kleine Ofen, der stattdessen in Betrieb genommen werden soll, kommt mit rund 1.600 Tonnen Roheisen pro Tag lediglich auf ein Drittel der Produktionsmenge. »Die Perspektiven müssen klar sein«, sagte Ausschußpräsident Holger Wachsmann am Donnerstag. Die Kollegen wollten Gewißheit, daß die Abschaltung nur vorübergehend sei.

Rund 2.200 der knapp 2.700 Stahlkocher im EKO-Werk sind schon jetzt an zehn Tagen im Monat in Kurzarbeit. Unmittelbar betroffen sind auch die etwa 3.000 Beschäftigten der auf dem Werksgelände tätigen Dienstleistungsfirmen. Etliche von ihnen geraten durch die Produktionskürzung in Bedrängnis. Am heutigen Freitag werden daher Hunderte Mitarbeiter von Zulieferbetrieben mit den EKO-Stahlarbeitern nach Berlin fahren, um für den Erhalt ihres Standortes zu demonstrieren. Anlaß der Manifestation ist eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.

Wertvernichtung im Kapitalismus

Ein Beispiel dafür, wie im Kapitalismus Werte, die von Arbeitern geschaffen wurden, vernichtet werden, wurde auf der letzten Belegschaftsversammlung in Eisenhüttenstadt bekannt. Dort werden bereits fertig produzierte Coils wieder eingeschmolzen, da sie von den Kunden des Stahlkonzerns derzeit nicht nachgefragt werden. – Was könnte mit den Coils Sinnvolles und Nützliches hergestellt werden, wenn es im Kapitalismus nicht ausschließlich um die Erzielung von Maximalprofiten gehen würde?

oe

Freitag 15. Mai 2009