Nach Schließung der Supermärkte Boon

Boon: Viele Fragen, keine Antworten

Die Art und Weise, wie die Firmenleitung in den letzten Monaten in den Supermärkten Boon mit ihrem Personal umsprang, geht nicht auf die berühmte Kuhhaut. Denn die Arbeitsbedingungen hatten sich nicht erst Tage vor dem Einstellen der Geschäftsaktivitäten verschlechtert. Mit dem Personalabbau hatte es bereits vor zwei Jahren begonnen. Damals waren in der Filiale in Esch/Alzette noch 15 Mitarbeiter beschäftigt. Zuletzt waren es nur mehr sechs, von denen vier Ende November und Anfang Dezember des letzten Jahres gekündigt wurde.

Jedoch auch in den anderen Filialen war das Personal nicht zu beneiden. Doch egal ob die Heizungen nicht funktionierten – zuletzt musste das Personal bei Minustemperaturen ausharren –, die Regale nur mehr unregelmäßig und mit immer weniger Ware gefüllt wurden, die Kundschaft auszubleiben begann oder die Löhne mit Verspätung ausgezahlt wurden, die Mitarbeiter vertrauten den Inhabern des Familienbetriebs. Allen voran Vater Boon glaubten sie, wenn dieser sie, angesprochen auf die Situation, beruhigte. Ein Vertrauen, das sie nun teuer bezahlen.

Dabei sei das Einstellen der Geschäftsaktivitäten eigentlich keine Überraschung, meinte am Montag Firmenchef R. Boon in einer Reportage auf RTL. Schon seit Monaten seien die zunehmenden Schwierigkeiten in den Geschäften aufgrund der permanent steigenden Konkurrenz nicht mehr zu übersehen gewesen. Dicht zu machen, wäre deshalb eine logische Entscheidung gewesen.

So weit, so gut. Wer eine Gesellschaft allerdings so herunterwirtschaftet, wie es in kürzester Zeit die Verantwortlichen des Familienbetriebs taten, braucht sich nicht zu wundern, dass bei so manchem Mitarbeiter heute Zweifel ob der Ehrlichkeit des jungen Betriebschefs aufkommen. Zumal er nicht den Mut hatte, persönlich vor das Personal zu treten, und stattdessen den Mitarbeitern das Einstellen der Aktivitäten über Telefon mitteilte.

Wieso diese Feigheit? Was befürchtete er eigentlich? Eventuell in barschem Ton auf die schlechten Arbeitsbedingungen der letzten Monate angesprochen zu werden? Dass ihm vielleicht eine der Verkäuferinnen an den Hals gesprungen wäre, nachdem sie nun ihren Job verlor und deshalb vor größten Problemen stehen wird? Dass eine junge Dame ihm eventuell lautstark und in einem nicht stubenreinen Wortlaut vorgeworfen hätte, sein Personal wie Dreck behandelt zu haben? Oder er womöglich die Frage hätte beantworten müssen, weshalb im November Personalvertreter designiert wurden, ohne Wahlen abzuhalten. Oder die Frage, wie es um die noch ausstehenden Löhne steht. Alles Fragen, denen er aus dem Wege ging.

Jetzt müssen die Gewerkschaften und die Justiz nach den Antworten suchen. Zum Beispiel, welche Absichten den Firmenchef damit verfolgte, mehrere Gesellschaften für die paar Geschäfte zu gründen. Ob der Großhandel in Zolver, der ebenfalls um die 30 Mitarbeiter beschäftigt, abgesichert ist?

Auch sind sie dem Personal, das seit dem letzten Wochenende ohne Arbeit ist und dem der Dezemberlohn (und noch ausstehende Urlaubstage) noch geschuldet wird, die Antwort schuldig, was an den Gerüchten dran ist, dass die Räumlichkeiten in Esch (Kleidergeschäft Mango) und Schifflingen (Cactus) bereits verkauft wurden und das Geschäftslokal in Petingen an Delhaize vermietet werden soll. Sollte es stimmen, dann wäre die nächste Frage sicherlich nicht fehl am Platz, wieso im Rahmen des »maintien dans l’emploi« das Personal (oder zumindest ein Teil davon) nicht übernommen werden könnte. Neben den Gewerkschaften müsste sich demnach auch der Staat schnellstens mit dem Dossier befassen.

Genau so wichtig ist allerdings, dass Klarheit im Dossier geschaffen wird. Damit die Betroffenen ein für allemal wissen, wo sie dran sind. Und zwar so schnell wie möglich.

g.s.

Gilbert Simonelli : Mittwoch 14. Januar 2009