Waldzustand leicht verbessert:

Hoffen auf Regen sowie wenig Blattläuse und Borkenkäfer

Ein Direktor einer staatlichen Verwaltung hat es nicht leicht, auch dann nicht, wenn er Jean-Jacques Erasmy heißt und die Forstverwaltung mustergültig auf nachhaltige Waldbewirtschaftung umgestellt hat. Wenn es von 2001 bis 2005 keine Waldzustandserhebung gab, so hatte dies damit zu tun, daß einfach nicht genug Personal dafür da war: nicht für die Erhebung, die 2008 zwischen 21. Juli und 17. August wieder 6 Forstbeamte zu 100% in Beschlag nahm, und nicht für die Auswertung der Daten der 1224 Probebäume von 51 Stichprobenflächen.

Nun ist die Forstverwaltung also vergangene Woche in der höchst unwürdigen Absegnungsorgie am Krautmarkt durch eine Natur- und Forstverwaltung (»Administration de la nature et des forêts«) ersetzt worden, die Minister Lux gerne »kurz und sexy« als Naturverwaltung bezeichnet sehen möchte. In diesem Rahmengesetz werden der umbenannten Verwaltung ein schöner Haufen zusätzlicher Posten zugesprochen, doch ist das alles nur Schall und Rauch. In der unwürdigen Kurzdebatte fand denn auch kein Abgeordneter den Mut festzustellen, daß der Postenplan des alten Rahmengesetzes der Forstverwaltung noch nicht ausgeschöpft war, und es durchaus sein kann, daß es für den 1.1.2010 nicht einen einzigen oder nur einen einzigen zusätzlichen Posten gibt im Kampf um die paar wenigen neuen, um die sich alle balgen dürfen, wenn die Zahl der zusätzlichen Polizisten und Lehrer fixiert ist.

Allerdings: die Verwaltung braucht neben einer ausreichenden finanziellen auch eine genügend große personelle Ausstattung, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können. Es reicht nicht, schöne Ziele in Rahmengesetze zu schreiben, es braucht auch die Mittel, um sie umzusetzen. Leider wird in Luxemburg immer wieder gegen dieses doch simple logische Prinzip verstoßen!

Leichte Verbesserung im Waldzustand

Seit 2006 gibt es nun wieder den jährlichen Waldzustandsbericht, der wichtig ist, um einerseits die Auswirkung der klimatischen Besonderheiten eines jeden Jahres, und um andererseits langfristige Trends festzuhalten. Diese gehen vor allem zurück auf den Schadstoffeintrag aus der Luft, der eine chronische Belastung des Waldes darstellt, die langfristig destabilisierend wirkt. Die Leiden des Waldes werden dabei aber auch zu einem wichtigen Umweltindikator für die Luftqualität, unter deren Verschlechterung die Menschen im Land genauso zu leiden haben.

Hierzu hält der Bericht fest: »Hohe Schwefel und Stickstoffemissionen führen zur Bodenversauerung sowie zu einer regelrechten ’Überdüngung’ der Böden. Als Folgeschäden des Versauerungseffektes sind unter anderem Probleme bei der Nährstoffverfügbarkeit sowie erhebliche Wurzelschäden zu nennen, welche sich folglich durch Trockenstreß hervorheben. Hinzu kommen gegebenenfalls signifikante Ozonbelastungen, die vor allem in trockenen und warmen Perioden auftauchen.«

Wir müssen also auf regelmäßigen Regen hoffen im Interesse des Waldes. Tatsächlich waren da 2007 und 2008 gute Jahre mit 1200 mm Niederschlag statt der knapp 700 in den Trockenjahren 1996 und 2003. 2007 stimmte die Wasserbilanz nur im April extrem und im Juli minimal nicht, 2008 gab es nur im Mai und Juni nicht genug Regen für den Wald. Positiv dabei ist zudem, daß der Säuregehalt des Regenwassers wieder sinkt und nach seinem Höchststand 2003 bei einem pH-Wert von 5,2 wieder bei 4,9 angekommen ist. Der Sulfateintrag sinkt nach einem Ausreißer 2005 nach oben wieder kontinuierlich, der Nitrat- und Ammoniumeintrag, für den nicht nur Verbrennungsmotoren, sondern auch die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem Dünger verantwortlich ist, bleibt konstant. Mehr öffentlicher Personennahverkehr und mehr Biobauern sind da die einzigen Lösungswege.

Zwei überdurchschnittlich regenreiche Jahre mit klimatischen Bedingungen, die zu einer verzögerten Aktivität der Schadinsekten führen, haben vermocht die gesunden Bäume um 10% zu steigern von 34,6 (2006) auf 44,8% (2008). Schwach geschädigt waren 2008 37%, deutlich geschädigt 19%. Damit liegt der Waldzustand knapp besser als 2000, aber noch unter den Werten von 1999.

Daraus kann leider nicht abgeleitet werden, die Talsohle liege hinter uns und es gehe nun wieder aufwärts, hin zu den lichten Höhen des ersten Waldzustandsberichts 1984, wo 79,1% gesunde Bäume festzustellen waren. Wie sich der Gesundheitszustand weiterentwickelt, hängt nämlich davon ab, ob die Menge der Schadstoffeinträge sich verringern läßt, und wie künftig Witterungsextreme auftreten. Kommt es wie erwartet zu wärmeren und niederschlagsärmeren Vegetationsperioden, wird sich das sehr rasch auf die von den erhöhten Schadstoffeinträgen latent geschädigten Bäume auswirken.

Die Forstwirtschaft kann durch naturnahe Bewirtschaftung der Wälder und durch bestmögliche Anpassung der Baumarten an die Standortbedingungen den Einfluß der Luftverschmutzung schwächen, nicht aber deren grundsätzliche Ursachen bekämpfen.

Die Verbesserungen im Zustand bei Buchen und Eichen sind ausschließlich den niederschlagsreichen Sommern 2007 und 2008 geschuldet, dasselbe gilt für die Eichenniederwälder im Ösling. Die guten Werte bei den Nadelbäumen sind vor allem darauf zurückzuführen, daß es sich dabei überdurchschnittlich um junge und sehr junge Bäume handelt: die alten wurden Opfer des Sturmes von 1990.

jmj

Dienstag 12. Mai 2009