»Äre Vëlo, eise Vëlo« nimmt zweiten Anlauf

Fahrradverleih der Stadt Esch/Alzette bleibt kostenlos, aber nicht anonym

Gerade noch rechtzeitig zu den Wahlen am 7. Juni nimmt das im August 2004 in Esch/Alzette gestartete Projekt »Äre Vëlo, eise Vëlo« einen zweiten Anlauf. Wie Everard Wohlfarth, der Präsident des Centre d’Initiative et de Gestion Local d‘Esch (CIGL), am Mittwochmorgen bei der Vorstellung von »Vël‘Ok« im Lallinger Theaterzelt erklärte, bleibt das »Self-Servicesystem für Fahrräder« kostenlos. Doch um dem Vandalismus Herr zu werden, den man »trotz Verbesserungen nie richtig in den Griff bekommen« habe, soll es künftig nicht mehr möglich sein, die Fahrräder anonym auszuleihen.

Die ersten blauen Fahrräder, die man noch wie einen Caddy im Supermarkt mit einer Zwei-Euro-Münze (bzw. einer etwa gleichgroßen Metallscheibe) auslösen konnte, »waren so attraktiv, daß einige Benutzer sie mit nach Hause genommen haben«, so Wohlfarth ironisch. »Gerüchten zufolge wurden einige Exemplare der ursprünglich 150 Räder bereits auf allen Kontinenten gesichtet.« Um die Anonymität zu beseitigen, so Mobilitätsschöffe Felix Braz, habe die Stadt Esch, die den Fahrradverleih zusammen mit dem CIGL betreibt, die Münzen dann im Mai 2006 durch Chipkarten ersetzt, bei deren Beantragung man eine Kaution in Höhe von 20 Euro hinterlegen mußte. »Doch auch die Chipkarten wurden schnell gefälscht«, so Braz, und wieder seien Räder spurlos verschwunden.

Dieser Mißbrauch, so Bürgermeisterin Lydia Mutsch in einem Anflug von Selbstkritik, sei vor allem auf Mängel im Projekt zurückzuführen, mit dem man aber immerhin »für Luxemburg Neuland betreten« habe. Die zunächst 150 – dieses Mal bunten – Leihräder, die ab dem 18. Mai an 15 über das gesamte Stadtgebiet verteilten Stationen zur Verfügung stehen sollen, können nur noch mit einer sogenannten E-GO-Karte ausgelöst werden, mit der man bisher schon Fahrten mit dem Zug oder dem Bus bezahlen konnte. Nach spätestens 30 Minuten muß das Rad dann wieder an einer Station angedockt werden.

Egal, ob man »Vël‘Ok« für nur 14 Tage oder unbegrenzt abonniert, in jedem Fall wird einem eine Kaution in Höhe von 150 Euro abverlangt. Ein Abonnement kann man im Internet unter www.velok.lu, beim CIGL Esch (97, Rue de l‘Alzette), im »Biergeramt« im Stadthaus oder im City Tourist Office abschließen, die E-GO-Karte gibt es zudem in der »Mobilitéitszentral« im hauptstädtischen Bahnhof. Bis zum nächsten Jahr soll die Zahl der Leihfahrräder auf 250 und die der Fahrradstationen auf 50 erhöht werden. Zusammen mit dem Verwaltungssystem beläuft sich die Investition auf etwas mehr als 420.000 Euro. Darin sind die Kosten für ein Netz von Infosäulen noch nicht enthalten, mit dem man sich über freie Stellplätze oder zur Verfügung stehende Räder an anderen Stationen informieren kann. Diese Infosäulen werden zusammen mit der WiFi-Plattform »HotCity Esch« verwaltet, die sich die Stadt rund 1,4 Millionen Euro kosten läßt.

Die Escher Bürgermeisterin zeigte sich gestern überzeugt, »daß Vël‘Ok wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität in Esch beitragen wird« und betonte, daß mit der Neuauflage des Projektes fünf Arbeitsplätze gesichert werden, die der CIGL als Mitglied im »Réseau Objectif Plein Emploi« geschaffen habe, um das Fahrradverleihsystem zu verwalten, die Räder zu warten, zu putzen und gegebenenfalls zu Stationen zu bringen, von denen alle Räder entnommen wurden.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 7. Mai 2009