Als Mona Lisa vor den Nazis floh

Fotoausstellung »Le Louvre pendant la guerre«

Staubige Leere in den Ausstellungshallen, der Sockel der Venus von Milo verwaist, Sandsäcke vor den Fenstern, Tomatensträucher im Hof, und ein Schild »Rauchen verboten« auf deutsch im Marssaal: Der Pariser Louvre, Heimat von Mona Lisa und Diane im Bade, glich während des Zweiten Weltkrieges einer Hülle ohne Seele. Die spannende Fotoausstellung »Le Louvre pendant la guerre« im Westflügel dokumentiert ab heute erstmals die düstere Zeit, die das weltberühmte Museum während der deutschen Besatzung durchmachte.

Ab 1938 bereitete die Verwaltung eine gigantische Evakuierung vor, um die Kunstschätze angesichts der heraufziehenden Kriegsgefahr vor Bombardierungen und dem Zugriff der Nazis zu schützen. Am 27. September, nach dem Einmarsch der deutschen Faschisten in die Tschechoslowakei, wurde Mona Lisa zum ersten Mal in die Kiste mit der Nummer Null gepackt, drei rote Sterne weisen sie als kostbarstes Gemälde aus. Der Beginn einer siebenjährigen Odyssee.

»Die eigentliche Evakuierung startet Ende August 1939, eine Woche vor der Kriegserklärung«, sagt Ausstellungskurator Guillaume Fonkenell. »Bis zum Winter bringen 37 Konvois 3.690 Bilder in Sicherheit.« Große Kaufhäuser stellen Lastwagen für die Transporte bereit. Die meisten Gemälde reisen zunächst nach Chambord, dem prächtigsten unter den Loireschlössern.

Nach dem Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland wurde das Museum am 29. September 1940 wieder geöffnet. Frankreich sollte nach Hitlers Vorstellungen zum Erholungsgebiet werden, mit Paris als Hauptattraktion. Der Louvre sollte den deutschen Soldaten zur Erbauung dienen, für sie ist der Eintritt, anders als für die Franzosen, kostenlos. »Aber sie bekamen nicht viel zu sehen«, sagt Fonkenell. Nur einige Dutzende Statuen waren geblieben. Auf Druck der Besatzer wurde immerhin eine Kopie der Venus von Milo präsentiert.

Einige besonders wertvolle Stücke, allen voran die Mona Lisa, wurden immer wieder verlegt. Um das Gemälde da Vincis aus der Schußlinie zu bringen, wurde es in fünf verschiedenen Schlössern und Museen beherbergt, zuletzt in der Region Lot tief im Südwesten.

Die zärtliche Aufmerksamkeit, die der Mona Lisa zuteil wurde, hat der Fotograf Pierre Jahan festgehalten. Wie ihr sibyllinisches Lächeln zum Vorschein kommt, als sie, am 17. Juni 1945, endlich wieder in Paris eintrifft und von ihrer Schutzhülle befreit wird; als sich Museumsmitarbeiter und Journalisten über sie beugen wie über ein Neugeborenes.

Bis dahin erlebte der Louvre seine dunkelste Zeit. Neben dem »Kunstschutz« richtete sich der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) in dem Museum ein. Er sondierte systematisch die von Juden in Frankreich beschlagnahmten Sammlungen. Nur wenige Fotos dokumentieren das geheime Treiben, aufgenommen vermutlich von einem ERR-Mitarbeiter. Tausende Werke wurden in den Ausstellungsräumen zwischengelagert. Die schönsten Stücke werden nach Deutschland gebracht.

»Unverkäufliche oder als wertlos eingestufte Bilder wurden zerstört und auf dem Museumsvorplatz verbrannt«, berichtet Fonkenell. »Wie viele Gemälde den Nazis zum Opfer fielen, weiß niemand.« Und noch heute gibt es zahlreiche Bilder, die von den Nazis geraubt wurden, deren rechtmäßige Besitzer nicht ermittelt werden konnten.

T.S.

Donnerstag 7. Mai 2009