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Haust du meinen, hau’ ich deinen

Viele Menschen nahmen in diesem Jahr an den Veranstaltungen der Gewerkschaften aus dem Privatsektor zum 1. Mai teil, während denen die verschiedenen Redner vor Sozialabbau warnten und das Patronat scharf kritisierten. Das hätte eigentlich die beste Voraussetzung sein müssen, um gemeinsam den 1. Mai zu begehen, nicht wahr? Denn die erste Aufgabe der Gewerkschaften ist es, die sozialen Interessen aller Schaffenden zu verteidigen.

In der Praxis funktioniert das aber nicht so, weil manche Gewerkschaftsführer parteipolitische Rücksichten nehmen und nach dem Motto »haust du meinen, hau’ ich deinen« handeln.

Beispiele gefällig? Während der LSAP-Kandidat und Präsident des Landesverbandes, Nico Wennmacher, auf der 1. Mai-Kundgebung mit Recht die CSV für Liberalisierung, Deregulierung Sozialabbau und Indexklau verantwortlich machte, erwähnte er mit keinem Wort, dass seine eigene Partei gleichfalls für die salariatsfeindlichen Maßnahmen der vergangenen Jahre verantwortlich ist.

Beim LCGB war des umgekehrt: Während CSV-Kandidat und LCGB-Präsident Robert Weber der LSAP in den Hintern trat, lobte er die Politik der CSV über den grünen Klee. Und beim OGBL saßen die sozialistischen Minister sogar in der ersten Reihe, aber es war niemand da, der ihnen die Leviten für Sozialabbau und Indexklau gelesen hätte.

Die Gewerkschaftsführer haben damit ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil sie parteipolitischen Überlegungen Vorrang vor den allgemeinen sozialen Interessen der Schaffenden geben. Und das schadet der Gewerkschaftsbewegung insgesamt.

Nik.

Dienstag 5. Mai 2009