Alle Supermärkte Boon seit Samstagabend geschlossen

36 Mitarbeiter verlieren Arbeitsplatz

Seit Samstagabend sind sämtliche Supermärkte Boon geschlossen. Nachdem sich die Firmenleitung ihrer Filiale in der Hauptstadt bereits Anfang des letzten Jahres entledigt hatte, stellte sie nun am Wochenende auch alle Geschäftsaktivitäten in den Filialen Esch/Alzette, Schifflingen und Petingen/Rodingen ein. 36 Mitarbeiter – größtenteils Frauen – sind davon betroffen. Sie sind nicht nur entsetzt darüber, wie man in den letzten Wochen und Tagen mit ihnen herumgesprungen ist, sondern dass sie seit Montag allen voran ohne Job und somit ohne Einkommen sind. In der Vergangenheit war ihnen der Lohn schon einige Male nur in Raten ausbezahlt worden, Urlaubstage und der Dezemberlohn werden ihnen noch geschuldet.

Die Enttäuschung unter den Mitarbeitern über die Art und Weise, wie man sie abgespeist hat, ist kaum in Worten zu beschreiben, die Empörung ist riesig.

Geschlossene Türen

Wir gehörten gestern Morgen kurz vor 7.00 Uhr zu den Personen, die durch ihre Unterschrift als Zeuge bescheinigten – das völlig deprimierte und sich von allen verlassen gefühlte Personal hatte uns darum gebeten –, dass die Mitarbeiterinnen zur Arbeit antreten wollten, jedoch geschlossene Türen vorfanden. Denn dass Schluss und die Firma angeblich insolvent sei, hatte ihnen die Firmenleitung am Freitag nur über Telefon mitgeteilt. Eine Schweinerei.

Gestern, kurz vor 9.00 Uhr, hatte sich das Personal sämtlicher Filialen vor dem geschlossenen Supermarkt Boon in Esch zusammengefunden, um solidarisch seine Rechte einzufordern. Ganz gleich ob sie bis zu den Geschäftsschließungen am Samstag nun in Esch/Alzette, Schifflingen, oder in Petingen/Rodingen arbeiteten, alle waren gleichermaßen entsetzt. Alle fühlten sich unwürdig behandelt. Und das zu Recht. Den meisten konnte man die großen Sorgen im Gesicht ablesen. »Was soll ich nur tun? Ich bin Alleinerziehende und muss dafür sorgen, dass mein Kind zu essen kriegt. Auch wird in drei Wochen die Miete anstehen. Wie ich das ohne Einkommen schaffen soll, ist mir ein Rätsel, meinte uns gegenüber eine Betroffene, die den Tränen nahe war.

Genau so schockierend war die Aussage einer Angestellten, die sich verraten und betrogen fühlt. Seit Monaten schon habe man sie hingehalten. Noch vor zwei Wochen, als sie zum wiederholten Male wegen den nicht funktionierenden Heizungen (Filiale in Schifflingen) reklamiert hatten, sei ihnen versichert worden, dass ihre Jobs abgesichert seien. Und nun dieser schäbige Abgang.

Wie tief der Stachel sitzt, merkte man einer langjährigen Mitarbeiterin an, die sich nicht allein über die Firmenleitung enttäuscht zeigte, sondern auch über die Gewerkschaften. Weil sie sich von denen verlassen fühlte. Seit Monaten wären sie über die Situation und die zuletzt ka- tastrophalen Arbeitsbedingungen im Bilde gewesen. Doch trotz aller Beschwerden habe man bis letzten Freitag niemanden vom OGB-L oder dem LCGB in einem der Geschäfte gesehen. Dies sei inakzeptabel.

Auf unser Anraten hin marschierte sie allerdings mit, als es geschlossen gegen 10.00 Uhr, wie am Freitag mit Gewerkschaftssekretär Hernani Gomes abgemacht, die wenigen Hundert Meter zum OGB-L ging, wo man sie ausführlich beriet, Hilfe anbot und allen versicherte, für deren Rechte einzutreten.

Das skandalöse Dossier Boon hat abermals deutlich gezeigt, dass die Schaffenden so gut wie nicht vor der Willkür des Patronats geschützt sind. Mit den vielen Versprechen muss nun endlich Schluss sein. Eine Reform des Konkursgesetzes im Interesse aller Lohnabhängigen gehört schnellstens auf den Instanzenweg. Denn so manches deutet darauf hin, dass das barsche, rücksichtslose und menschenunwürdige Vorgehen der Firmenleitung von »Supermarché Boon« künftig nur ein Beispiel von vielen sein könnte.

g.s.

Gilbert Simonelli : Dienstag 13. Januar 2009