Aktioun »De Bongert«

10 Jahre Obstwiesenschutz in Mersch

10 Jahre Obstwiesenschutz in der Gemeinde Mersch. Die Gemeinde Mersch liegt im Talbereich von Alzette, Mamer und Eisch. Prägendes Element der Kultur-Landschaft sind die reich strukturierten Hanglagen mit ihren zahlreichen Obstwiesen, Hecken, Trockenrasen und vielfach noch extensiven, blumenreichen Weiden und Wiesen.

Vor allem die »Bongerten« prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild und stellen einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar. Schon seit 10 Jahren engagiert sich Mersch für den Schutz dieses gefährdeten Lebensraums, der nicht nur ein bedeutendes Natur- und Kulturerbe darstellt, sondern auch den Erholungs- und Erlebniswert der freien Landschaft erhöht.

Erste gezielte Schutzmaßnahmen wurden 1998 durchgeführt, als die Gemeinde zusammen mit den lokalen Förstern die Umsetzung des Plan Vert (Landschaftsplan von 1992 der Gemeinde Mersch) in Angriff genommen hat.

Mit dem Beitritt zum SICONA-Centre hat die Gemeinde 2001 einen weiteren Schritt in Richtung praktischen Naturschutz gemacht. Schließlich initiierte die Gemeinde ab dem Herbst 2005 die Aktion »De Bongert«, die seither als konzertierte Aktion der verschiedenen Akteure läuft. Durch die gemeinsamen Bemühungen konnten bisher folgende Ziele erreicht werden:

In regelmäßigen Abständen werden private Grundstückseigentümer im »Gemengenbuet« zur Mitarbeit aufgerufen. Außerhalb des Bauperimeters pflanzt die Gemeinde Hochstammobstbäume auf Privatgrundstücken gratis und garantiert auch deren Unterhalt. Auch ein fachgerechter Schnitt von überalterten Bäumen wird ebenfalls gratis angeboten. Es wurde eine gemeinsame Schulung im Bereich Baumschnitt für die Arbeiter der Forst-verwaltung und des SICONA-Centre organisiert. Leute, die selbst Bäume pflanzen wollen, werden beraten und unterstützt.

Informationsmaterial zu Sortenwahl, Naturschutz, Planung und Pflanzung einer Obstwiese stehen gratis zur Verfügung. Für die Bevölkerung werden regelmäßig Schnittkurse, Vorträge und Wanderungen organisiert.

Primärschulaktivitäten rund um die Bongerten werden jährlich organisiert, z. Bsp. Pflanzaktionen, Keltern von Viez, Aktion Bienen und Honig. Mit diesen Aktionen soll den Kindern der spannende Lebensraum Bongert nähergebracht werden. Die Gemeinde fördert jährlich das lokale Viezfest vom »Deschtennis Recken«, d.h. alle Akteure helfen bei der Organisation des Viezfestes.

Die Bilanz

Ein historischer Rückblick zeigt zunächst einmal die großen Verluste, die dieser bedeutende Lebensraum hinnehmen musste: in den 90 Jahren von 1902 bis 1993 ist der Obstbaumbestand in der Gemeinde Mersch von 18.899 auf 3.333 geschrumpft. Das ist ein Rückgang von ca. 82%! (Zahlen aus Aendekerk 1993).

Zwar reichen die rezenten Aktionen nicht aus, um diese Verluste wettzumachen. Im Vergleich zu 1993 hat sich der Obstbaumbestand aber deutlich erholt.

In den letzten 10 Jahren konnten durch die Initiative der Gemeinde 925 Hochstamm-Obstbäume neu gepflanzt und 626 alte Obstbäume geschnitten werden.

Durch einige andere Projekte (Z. Bsp. Kompensationsmaßnahmen im Bereich der Nordstraße oder Biodiversitätsverträge mit den Landwirten), unter Aufsicht der Forstverwaltung und dem Umweltministerium konnten weitere 285 Bäume gepflanzt werden.

In der Summe wurden also 1.210 Bäume neu gepflanzt und 626 alte geschnitten.

Dank des kommunalen Förderprogramms wächst zurzeit auch das Interesse am »Bongert« wieder und die Wertschätzung des Obstes nimmt zu. In der Bilanz konnte der Bestand also um mehr als ein Drittel erweitert und verjüngt werden. Die rückläufige Tendenz wurde klar gestoppt und ins Positive umgekehrt.

Ausblick

Die bisherige konsequente und fruchtbare Zusammenarbeit im Bereich Obstwiesenschutz soll auch in den nächsten Jahren weitergeführt werden. Ziel ist es zum einen, den regelmäßigen Unterhalt der gepflanzten Jungbäume zu garantieren, da dies von ausschlaggebender Bedeutung für die Überlebensrate der Jungbäume und die spätere Qualität des Bestandes ist. Was Neupflanzungen und Schneiden alter Bäume angeht, so soll der Schwerpunkt in den nächsten Jahren verstärkt auf die Pflege und den Erhalt des Altbestandes gelegt werden, da viele Altbäume dringend lebensverlängernde Pflegschnitte brauchen.

Mittwoch 29. April 2009