Der Krieg, die Lügen und Israel

Die Wahrheit ist wieder einmal das erste Opfer des Krieges, den Israel gegen den Gazastreifen vom Zaun gebrochen hat. Wie in fast allen Kriegen mußten Lügen als Vorwand herhalten. In diesem Fall wird behauptet, Israel müsse sich gegen palästinensische »Raketenangriffe« verteidigen, die »Hamas-Terroristen« hätten den Waffenstillstand gebrochen, und man wolle nun die Hamas zwar nicht vernichten, aber so schwächen, daß sie handlungsunfähig werde.

Alle Welt kann klar erkennen, daß die Angriffe mit »Raketen« aus dem Gazastreifen zwar bedingungslos zu verurteilen sind, jedoch selten eine ernsthafte Gefahr darstellen. Treffer an Gebäuden und Verletzungen israelischer Zivilisten werden allerdings bis zur Unerträglichkeit ausgeschlachtet, während die israelischen Massaker an den Bewohnern des Gazastreifens in den bürgerlichen Medien kleingeredet werden und die Schuld der Hamas zugeschoben wird.

Die »radikalen Palästinenser«, so hört und liest man es jeden Tag, »mißbrauchen Zivilisten als menschliche Schutzschilde«. Die Bewohner des Gazastreifens seien ja gewarnt worden und könnten sich in Sicherheit bringen, wird uns gesagt. Wo sollen sich die Menschen vor Artilleriegranaten und Bomben, vor Panzergranaten und den Schüssen der Soldaten in Sicherheit bringen – in einem Gebiet, das weniger als ein Viertel der Fläche von Luxemburg hat und in dem dreimal so viele Menschen leben?
Israel setze »intelligente« Waffen (»smart bombs«) ein, wird weiter gelogen, um die Zivilbevölkerung zu schonen. Was für ein Schwachsinn! Wie könnte eine Bombe unterscheiden zwischen einem bewaffneten Kämpfer und einem dreijährigen Kind, das noch nicht einmal mit Steinen werfen kann?

Es gehe Israel darum, die Hamas in die Knie zu zwingen, wird uns vorgelogen. Wie soll das aussehen? Sollen sich die Kommandeure der Hamas vor Frau Livni auf die Knie werfen und winseln? Es ist viel wahrscheinlicher, daß das Rote Meer zufriert, als daß so etwas geschieht.

Der Westen will helfen, den »Waffenschmuggel« zu unterbinden, tönte der deutsche Außenminister nach dem Bruderkuß mit Busenfreundin Livni am Sonntag. Den gleichen Unfug erzählte man nach dem israelischen Libanon-Krieg im Sommer 2006. Bisher ist kein einziger Fall von Waffenschmuggel in den Libanon bekanntgeworden, trotz des riesigen Flottenaufgebots des Westens im Mittelmeer.

Die Palästinenser sollen die Existenz Israels anerkennen, wird gefordert. Als ob die Palästinenser – und viele andere Nachbarn Israels – nicht schon seit 60 Jahren wüßten, was für ein Staat da mitten in ihrem Gebiet entstanden ist! Die Anerkennung des Staates Israel, einschließlich seines sogenannten Existenzrechts, ist längst erfolgt. Und das, obwohl diese angeblich »einzige Demokratie im Nahen Osten« weder eine Verfassung besitzt noch die Grenzen des Landes definiert sind. Wenn jemand etwas nicht anerkennt, dann ist es Israel – nämlich das Existenzrecht seiner Nachbarstaaten und den Beschluß der UNO über die Gründung eines Staates Palästina, ebenso wenig die seit 42 Jahren bestehende Forderung des UNO-Sicherheitsrates, die 1967 okkupierten Gebiete zu räumen.

Die Raketenangriffe auf Israel müssen gestoppt werden. Das ist richtig. Allerdings braucht man dazu einen palästinensischen Staat mit funktionierender Polizei und Justiz. Wer in Gaza Polizisten tötet, hat offensichtlich ganz andere Ziele.

Uli Brockmeyer

Uli Brockmeyer : Dienstag 13. Januar 2009