Benedikt XVI., Alleinunterhalter

Joseph Ratzinger ist unter seinem Künstlernamen Papst Benedikt XVI. der erste Alleinunterhalter seit Mario Barth, der das Berliner Olympiastadion füllt. Wie das Berliner Erzbistum am Mittwoch mitteilte, sind über das Internet bereits 64.000 Eintrittskarten für den Auftritt des Kirchenchefs im September verkauft worden. Hinzu kämen sechstausend Plätze für Ehrengäste und Besucher aus Pfarrei- und Gruppenanmeldungen, sagte Bistumssprecher Stefan Förner der Nachrichtenagentur dapd.

Damit schlägt der Chef der katholischen Kirche die Hausherren von Hertha BSC, obwohl die sich zuletzt auch über mehr als 60.000 Zuschauer gefreut haben. Aber ein solches Spektakel wie die Katholiken haben die Fußballer eben nicht zu bieten.

Einen Vorgeschmack darauf wird wohl in der nächsten Woche schon das Theater um den Papstbesuch in Madrid bieten. Wie die Agentur AFP berichtete, hat dort eine auf die Herstellung von Sanitärbedarf spezialisierte Firma Klopapierrollen in den Farben des Vatikan auf den Markt gebracht. Zum Packungspreis von 2,76 Euro sind die Rollen über den Onlineshop der Firma erhältlich. Allerdings soll man sich mit dem weiß-gelben Papier nicht den Allerwertesten abwischen. Vielmehr sollen die Rollen aus dem Fenster geworfen werden: »Gibt es eine bessere Art, die Straßen zu beleben, als diese Rollen in den Farben des Vatikan als riesige Papierschlangen zu benutzen?«, preist das Unternehmen sein Produkt an.

Während die spanische Regierung und die Veranstalter des katholischen »Weltjugendtags« gegen solche Promotion für ihr Event offenbar nichts einzuwenden haben, möchten sie sich von teuflischen Heiden lieber nicht stören lassen. Die Stadtregierung von Madrid hat jedenfalls eine von kirchenkritischen Gruppen geplante Demonstration am kommenden Dienstag kurzerhand verboten. Diese sollte sich gegen die Finanzierung des Papstbesuchs aus Steuergeldern richten.

André Scheer

Freitag 12. August 2011