Frühjahrsbelebung ausgefallen

Im März waren offiziell 12.860 Frauen und Männer arbeitslos – Patronat darf im Mai 9.992 Schaffende auf Kurzarbeit setzen

Die kapitalistische Wirtschaftskrise hält den Arbeitsmarkt weiterhin fest im Griff. Die sonst übliche »Frühjahrsbelebung«, die die offizielle Arbeitslosenzahl im März 2008 noch um 6,7 Prozent gegenüber dem Vormonat sinken ließ, fiel in diesem Jahr fast gänzlich aus. Im März waren offiziell 12.860 in Luxemburg wohnende Frauen und Männer arbeitslos. Das sind nur 146 registrierte Erwerbslose (oder 1,1 Prozent) weniger als im Februar. Die Arbeitslosenrate sank somit von 5,6 auf 5,5 Prozent. Gleichzeitig befanden sich 2.980 Personen in Beschäftigungsmaßnahmen, die nicht als arbeitslos geführt werden.

Beim Konjunkturkomitee gingen dieses Mal 147 Anträge auf Kurzarbeit ein, von denen dem Patronat rekordverdächtige 119 Anträge genehmigt wurden. Im Mai können damit 9.992 Schaffende auf Kurzarbeit gesetzt werden. – Nach 10.410 in diesem und 9.206 im vergangenen Monat. Zu Beginn der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise gab es im September 2008 erst 884 Kurzarbeiter in Luxemburg.

Obwohl er einer Partei angehört, die sich zumindest im Wahlkampf laizistisch gibt, betätigte sich am Mittwoch nach der Sitzung des Konjunkturkomitees ausgerechnet Wirtschaftsminister Jeannot Krecké als Gesundbeter. So will er auf der Hannover Messe eine »eher positive Grundstimmung« ausgemacht und auf seinem jüngsten USA-Trip »erste positive Zahlen« vernommen haben, als er unter anderem mit John McCain, dem gescheiterten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, zusammentraf.

Krecké freute sich, daß die Aktienkurse seit Anfang Januar um 25 Prozent gestiegen sind und sprach von einer »positiven Entwicklung auf niedrigem Niveau«. Aus Asien und insbesondere aus der Volksrepublik China gebe es sogar wieder »positive Nachrichten aus der Logistikbranche« und den neuen Schätzungen des Statec zufolge liege die Inflationsrate in Luxemburg in diesem Jahr bei 0,2 und 2010 bei 1,6 Prozent. Wohl um sich nicht vollends lächerlich zu machen, relativierte er seinen Zweckoptimismus aber am Ende seiner Ausführungen, als er den britischen Staatsmann Winston Churchill mit den Worten »Now this is not the end. It is not even the beginning of the end. But it is, perhaps, the end of the beginning« zitierte.

Realistischer, aber nicht weniger blumig kommentierte Arbeitsminister François Biltgen die neuen Zahlen: »Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer«, warnte er. Immerhin sei die Zahl der Arbeitslosen binnen eines Jahres um mehr als ein Drittel (35,4 Prozent) gestiegen. Für die kommenden Monate gehe er davon aus, daß sich Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit auf dem nun erreichten hohen Niveau einpendeln. Dies gelte auch für die staatliche Subventionierung der Kurzarbeit, die im nächsten Monat mit ungefähr 12,3 Millionen Euro zu Buche schlagen wird.

Wenn sich die sogenannten Sozialpartner am 6. Mai zu einer »Rencontre nationale d‘emploi« treffen – die Regierung vermeide die Bezeichnung »Beschäftigungsgipfel«, »weil das so klingt, als komme danach nichts mehr« –, sei eines der wichtigsten Themen die Frage, was mit den Schulabgängern geschehe, die im Herbst neu auf den Arbeitsmarkt drängen. Bis dahin sollen die Statistiker der Adem auch geklärt haben, warum die Zahl derer, die eine Arbeitslosenentschädigung erhalten, im März um 593 gegenüber dem Vormonat auf 6.514 sank, obwohl die Zahl der Arbeitslosen doch nur um 146 zurückging.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 23. April 2009