Für die Förderung des Buches

Der luxemburgische Verband der Verleger, Lëtzebuerger Bicherediteuren, der Buchhändler, Fédération Luxembourgeoise des Libraires (FLL), sowie die Associatioun vun de Lëtzebuerger Bibliothekären, Archivisten an Dokumentalisten (Albad), möchten gemeinsam zum Welttag des Buches 2009 eine effiziente Politik zur Förderung des Buches für das Großherzogtum Luxemburg fordern. Die seit Anfang des 20. Jahrhunderts mehrfach totgesagte »Technologie Buch« feiert weiterhin Erfolge: die weltweite Titelproduktion steigt kontinuierlich an. Von diesem Büchersegen profitieren Wirtschaft, Bildung, Kultur, Wissenschaft sowie Unterhaltungs- und Informationsindustrie. In Luxemburg ist dies jedoch in einem geringeren Maße der Fall als in anderen europäischen Ländern. Der kleine Binnenmarkt mag auf den ersten Blick ein Hindernis sein, allerdings wird das vorhandene Potential gegenwärtig nicht ausgeschöpft. Bildung stellt das Kapital Luxemburgs im 21. Jahrhundert dar - und das Buch ist das billigste Fortbildungsmittel der Welt. Leseförderung ohne Bücher? Unvorstellbar! Oder welches andere Medium ist besser geeignet Luxemburger Kultur und Geschichte in kompakter Form überall in die Welt zu tragen?

Ohne dass ein Lesegerät, wie bei audiovisuellen Medien, dafür notwendig wäre? Welches Informations- und Meinungsäußerungsmittel bestimmt seit Jahrhunderten die demokratische Staatsentwicklung und Wissensgesellschaft effektiver als das Buch? Geringe Investition, große Wirkung. Dabei sollte die nationale Buchförderung keineswegs nur Luxemburgensia umfassen. Wieso nicht verstärkt ins Bücherexportgeschäft einsteigen? Eine Chan­ce für Luxemburg! Eine der Hauptstädte Europas zur Buchstadt ausbauen, die Mehrsprachigkeit nutzen und eine geistige Metropole schaffen.

Aus diesen Gründen befürworten Lëtzebuerger Bicher­editeuren, FLL und Albad folgende Maßnahmen zur Durchsetzung einer kohärenten nationalen Buchpolitik, die allen Bevölkerungsschichten zugute kommt:

Allgemein

– die Förderung der Buch- und Lesekultur ist eine Querschnittsaufgabe, d.h. mehrere Ministerien müssen enger und koordinierter zusammenarbeiten;

– eine Modernisierung, Pro­fessionalisierung und Stan­dardisierung im Bereich der Kommunikation, der Dokumentation, der verfügbaren Statistiken, der Informatiksysteme und der staatlichen Förderung ist dringend anzustreben.

Autorenförderung

– Veröffentlichungszu-schüs­se auf Sachbücher erweitern;

– größere Präsenz einheimischer Literatur und Autoren in den Schulen und insbesondere die systematische Integration von luxemburgischer Literatur in die Schulprogramme;

– Einrichtung eines Literaturhauses;

– ein garantiertes Mindesteinkommen zur individuellen Autorenförderung.

Verlagsförderung

– Nationales und internationales Buchmarketing abseits von Buchmessen verstärken;

– den reduzierten Mehrwertsteuersatz von Büchern auf Audiobücher ausweiten;

– die Mannigfaltigkeit der Buchproduktion und somit eine kulturelle Vielfalt garantieren;

– die Höhe der Buchförderung an diejenige der hiesigen Filmförderung anpassen;

– Schaffung eines zentral verwalteten Verzeichnisses lieferbarer einheimischer Bücher;

– systematischer Bücheraufkauf durch die Öffentliche Hand zugunsten aller öffentlichen Bibliotheken, sowie der Schulbibliotheken;

– Forderung nach einer Buchpreisbindung (frz.: prix fixe);

– Rückführung der Rolle des Staates als Selbstverleger und systematische Auftragsvergabe an private Verlage;

– Einbinden der einheimischen Verlage in die Schulbuchproduktion: In der Tat ist Luxemburg das einzige Land, in dem das Schulbuch entweder in Eigenregie vom Staat verlegt wird oder aber das einheimische Verlagswesen ge­­genüber ausländischen An­bietern benachteiligt und von der Schulbuchauftragsvergabe ausgeschlossen wird. Dieser Ausschluss des luxemburgischen Verlagswesens an der größten inländischen Buchproduktion bremst die Ent­wicklung der Verlage und ist konträr zu jeder Förderpolitik für das einheimische Buch. Ein Umdenken im Bereich der Schulbuchpolitik seitens des Staates ist demnach dringend erforderlich.

Buchhandelförderung

– Staatliche Anerkennung professioneller Buchhandlungen (»librairies agréées« nach dem Vorbild Québecs);

– Förderung von kulturellen Veranstaltungen durch finanzielle Unterstützung;

– den Kontakt mit Schülern fördern durch Besichtigungen von lokalen Buchhandlungen und örtlichen Bibliotheken durch Schulklassen;

– Postversand für Bücher optimieren;

– Aus- und Fortbildung der Buchhändler unterstützen.

Bibliotheksförderung

– Zusammenarbeit mit Schu­len verstärken;

– Geographische Ungleich­mäßigkeiten in der Literaturversorgung aufheben;

– Dienstleistungen einer modernen Bibliothek in die Förderungsplanungen einbeziehen;

– Forderung eines Gesetzes zur Pflichteinrichtung von kommunalen Bibliotheken, wie es bereits bei Grundschul- und Gymnasialbibliotheken der Fall ist;

– Änderung der Bibliothekstantiemeneintreibung (finanzschwache öffentliche Bibliotheken befreien und statt­dessen wohlhabendere wissenschaftliche Bibliotheken in staatlicher Trägerschaft stärker belasten)

– die Bibliotheksausstattung finanziell bezuschussen;

– Fortbildungsmöglichkeiten vereinfachen und unterstützen;

– Fachkräftemangel durch gesetzlich abgesicherte Qualifizierungsanerkennung entgegenwirken;

– Gelder für dringende Kulturbewahrungsaktionen (Restaurierung) sofort bereitstellen.

Leseförderung

– Schaffung einer zentralen Institution zur Leseförderung;

– die Ausarbeitung von Lektürehilfen für luxemburgische Werke unterstützen;

– Bookstart-Initiative gesetzlich festschreiben;

– der Leseförderung einen festen Platz in der Lehrerausbildung einräumen;

– Aufklärung über das Urheberrecht im Schulunterricht;

– Nationale Buchförderungsaktionstage angemessen fördern;

– verstärkte Unterstützung für Leseförderungsinitiativen im Kinder- und Jugendbereich.

Donnerstag 23. April 2009