Allgemeinplätze vom Fachmann

Der im Januar 2007 eingerichtete »Comité supérieur de la Recherche et de l’Innovation« kam gestern zum dritten Mal zusammen

Nachdem die Regierung die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit der Ausarbeitung eines Berichts über »Luxembourg’s Innovation Policy« beauftragt hatte, diese der öffentlich finanzierten Forschung und ihrer praktischen Anwendung im Großherzogtum daraufhin im November 2005 eine »mangelhafte Kooperation und Koordination« attestiert hatte, weil was geschehen sei, nur deshalb geschehen sei, weil es eben habe geschehen können (»Things happened simply because they could happen.«), beschloß der Regierungsrat im Januar 2007, ein »Comité supérieur de la Recherche et de l’Innovation« zu schaffen, dem Wirtschaftsminister Jeannot Krecké und Forschungs- und Hochschulminister François Biltgen gemeinsam vorstehen.

Weitere eineinhalb Jahre später, im Juli 2008, nahm der von der OECD wärmstens empfohlene Forschungsbeirat seine Arbeit auf. Wie gleichfalls von der Pariser Organisation geraten, gehören ihm jeweils drei Vertreter aus »der Wirtschaft« (Raymond Freymann, Entwicklungsdirektor beim deutschen Autokonzern BMW, Roland Junck, ehemaliger Generaldirektor bei ArcelorMittal und Marc Hoffmann, Präsident des Direktionskomitees der Compagnie de Banque Privée), der Wissenschaft (François Diederich, Chemieprofessor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, John Scheid, Geschichtsprofessor am Collège de France, und Guy Kirsch, emeritierter Professor für politische Ökonomie an der Universität Fribourg) sowie der sogenannten Zivilgesellschaft (Caritas-Direktor Erny Gillen, der ehemalige EuGH-Richter Romain Schintgen und die Direktorin des Centre National de Littérature, Germaine Goetzinger, an.

Am Montag nun kam der Forschungsbeirat im Informationspavillon SKIP in Esch zum bisher dritten Mal zusammen, um laut Biltgen die Forschungsschwerpunkte Luxemburgs in den nächsten 20 Jahren zu beraten und einen mit »Eine vorausschauende Antwort auf die Krise: Förderung nachhaltigen Wachstums durch Innovation« überschriebenen Vortrag von Gernot Hutschenreiter zu hören, der dem OECD-Direktorat für Wissenschaft, Technologie und Industrie angehört. Zuvor aber wurde gemeinsam die zukünftige »Cité des Sciences, de la Recherche et de l’Innovation« auf Belval-West besucht.

Wie Biltgen auf einer Pressekonferenz im Anschluß an die Tagung erklärte, bezeichnete es Hutschenreiter als gefährlich, daß wegen der Krise hochqualifizierte Arbeitskräfte »freigesetzt« werden. Doch gleichzeitig könnten neue Arbeitsplätze durch die Förderung »grüner Technologien« geschaffen werden und es sei gerade in Krisenzeiten wichtig, »Aus- und Weiterbildung zu betreiben«. Das nächste Treffen des »Comité supérieur de la Recherche et de l’Innovation« solle Anfang November an zwei Tagen stattfinden, wobei man für den zweiten Tag »sämtliche Luxemburger Forscher im Ausland« einladen werde. »Ob die beiden Präsidenten des Forschungsbeirates bis dahin noch im Amt sind«, sei natürlich noch unklar, so Biltgen.

Während der OECD-Mann also vornehmlich Allgemeinplätze abließ und Luxemburg das finnische Modell empfahl, nach dem es gerade in Krisenzeiten nötig ist, verstärkt öffentliche Gelder in Forschung und Entwicklung zu stecken, erklärte Freymann allen Ernstes, es dauere eben seine Zeit, bis man sich »gefunden« habe. »Wir wissen nun, wie wir miteinander umgehen sollen.« Wenn die zusammengetragenen »Super-Ansätze« noch »ein bißchen ausgearbeitet« werden, komme ganz bestimmt auch »etwas dabei heraus«. Auch sei er »very impressed« von Belval gewesen.

oe

Oliver Wagner : Dienstag 21. April 2009