»Die Angst der Beschäftigten wächst«

Mobbing asbl: Mit der Wirtschaftskrise wächst der psychologische Druck am Arbeitsplatz

Angesichts der kapitalistischen Krise stellt die 2001 gegründete Vereinigung Mobbing asbl einen sprunghaften Anstieg des Beratungsbedarfs in Luxemburg fest. »Der Druck in den Betrieben und die Angst der Beschäftigten ist gewachsen«, konstatierte ihr Präsident Joé Spier am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts für 2008. Seien 2007 noch 1.090 Mobbingopfer am Telefon beraten worden, so seien es im vergangenen Jahr bereits 1.760 gewesen. Und die ersten drei Monate dieses Jahres hätten gezeigt, daß das rapide Wachstum weiter anhalte.

2008 seien 315 persönliche Beratungsgespräche für Mobbingopfer durchgeführt worden, wobei sich davon 120 Fälle als besonders hart herausgestellt hätten. Wie bereits in den Vorjahren seien 71 Prozent der Opfer weiblich und nur 29 Prozent männlich gewesen und 62 Prozent der Mobbingopfer seien älter als 39 Jahre. Auch wenn die asbl von den christlichen Gewerkschaften LCGB und Syprolux gegründet wurde, so seien unter den Beratenen 34 Prozent Mitglieder anderer Gewerkschaften und 20 Prozent nicht gewerkschaftlich organisiert gewesen.

Es sei »erschreckend«, so Spier, daß »ausgerechnet im Jahr der Sozialwahlen« 13 Prozent der von der asbl beratenen Mobbingopfer noch nicht einmal wußten, ob es in ihrem Betrieb eine Personaldelegation gibt. Im Vorjahr habe diese Zahl noch bei acht Prozent gelegen.

Die nach Sektoren gegliederte »Hitparade« der Mobbingopfer wird mit einem Anteil von jeweils 13 Prozent vom Gesundheitssektor und dem Handel angeführt, während der Bank- und Versicherungssektor in dieser Negativrangliste nach der Industrie sowie dem öffentlichen Sektor (Staats- und Gemeindebetriebe) mittlerweile nur noch den sechsten Rang einnimmt. Die Tatsache, daß 59 Prozent der Mobbingopfer im vergangenen Jahr aus Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten kamen, zeige daß das Phänomen auch in kleinen und mittleren Betrieben wachse. 57 Prozent der Opfer seien 2008 Privatbeamte, 23 Prozent Arbeiter und 16 Prozent seien Staats- oder Gemeindefunktionäre bzw. Staatsbeamte gewesen.

Da 58 Prozent der Mobbingopfer krankgeschrieben wurden, rechnet Spier mit einem erheblichen Schaden für die Luxemburger Volkswirtschaft. 17 Prozent der Krankgeschriebenen kamen aus dem Gesundheits-, 14 Prozent aus dem Bank- und Versicherungssektor, 13 Prozent aus dem Handel und elf Prozent arbeiteten für den Staat. Es sei auch »besorgniserregend«, daß die durchschnittliche Krankheitsdauer binnen eines Jahres von 6,6 auf 7,1 Wochen anstieg, so Spier, der mittels einer »Milchmädchenrechnung« ermittelte, daß bei 250.000 Beschäftigten, von denen mindestens drei Prozent gemobbt werden, »jedes Jahr 26.775 Krankheitswochen anfallen«.

Eine Konvention mit dem Patronatsdachverband (UEL) gegen Mobbing und andere Formen von Gewalt am Arbeitsplatz ist laut Spier »unterschriftsreif«, trotzdem halte man die Forderung nach einem »Anti-Mobbing-Gesetz« weiter aufrecht. Dieses solle sich aber »nicht gegen das Patronat richten«, sondern sei vielmehr »komplementär« zur Konvention mit der UEL gedacht. Von einem solchen Gesetz erwarte man sich eine gesetzliche Basis zum Schutz der Opfer und zur Bestrafung der Täter sowie zusätzliche Beratungs- und Hilfsangebote für die Betroffenen.

Monique Breisch, die für die Konsultationsabteilung der asbl verantwortlich ist, stellte gestern klar, daß die Internetseite www.mobbing.lu »nichts mit uns zu tun hat«. Die Berater der Mobbing asbl seien montags bis freitags (jeweils von 8 bis 12 Uhr) unter der Telefonnummer 49 94 24-888 sowie rund um die Uhr per E-Mail an mobbing@lcgb.lu zu erreichen. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend bestehe von 19 bis 21 Uhr zusätzlich ein Beratungsangebot unter der GSM-Nummer 621 371212. Eine eigene Internetseite sei in Vorbereitung und werde bald freigeschaltet.

oe

Oliver Wagner : Freitag 17. April 2009