Belgische Fortis-Bank meldet Milliardenverlust

Milliardenschwere Abschreibungen und der verlustreiche Verkauf der niederländischen Tochter bringen die belgische Fortis-Bank in arge Finanznot. Das angeschlagene Kreditinstitut hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 20,6 Milliarden Euro eingefahren. Wie Fortis am Dienstag in Brüssel mitteilte, entstand allein durch die Übernahme des niederländischen Geschäfts durch den Staat ein Verlust von neun Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen weitere 4,8 Milliarden an Abschreibungen. Dieser Effekt herausgerechnet, kam die Fortis-Bank demnach auf ein Konzernergebnis von 903 Millionen Euro. Für 2007 hatte das einst größte Finanzinstitut in Belgien und den Niederlanden noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

In den vergangenen Monaten war Fortis dann tief in den Strudel der Finanzkrise geraten und wurde zerschlagen. Das niederländische Bank- und Versicherungsgeschäft wurde von der niederländischen Regierung übernommen. Alle anderen Bank-Aktivitäten der Fortis-Bank SA/NV übernahm der belgische Staat. Seinen Anteil von 75 Prozent will Belgien allerdings an die französische Großbank BNP Paribas verkaufen. Die Aktionäre des ursprünglichen Mutterkonzerns (Fortis Holding) sollen dem Verkauf am 28. und 29. April zustimmen.

Die EU-Kommission sieht in der Übernahme der niederländischen Geschäftszweige einen Verstoß gegen die Beihilferegeln der EU und leitete ein Verfahren gegen die Regierung in Den Haag ein. Es bestehe der Verdacht, daß ein der Fortis Bank Nederland im Oktober gewährtes Darlehen sowie der von der Regierung gezahlte Preis für den Kauf des Versicherungsgeschäfts gegen die EU-Beihilferegeln verstießen, teilte die oberste Wettbewerbesbehörde der EU mit. Zwar sei »der niederländische Staat zu Recht tätig geworden, um eine Insolvenz von Fortis Bank Nederland abzuwenden«, erklärte die aus den Niederlanden stammende EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. »Die Kommission muß jedoch sicherstellen, daß die Rettungsbeihilfe auf das erforderliche Minimum beschränkt war.«

Mittwoch 15. April 2009