Protest gegen Arbeitsplatzvernichtung

Manifestation zum Schichtwechsel bei Villeroy & Boch in Luxemburg-Rollingergrund

Die noch verbliebenen 320 Arbeiter von Villeroy & Boch in Luxemburg-Rollingergrund sind wütend. Nicht nur daß die traditionsreiche Porzellanfabrik, in der vor zwölf Jahren noch fast 1.000 von ihnen arbeiteten, nun endgültig dichtgemacht werden soll, mittlerweile sollen die ersten der 230 dieses Mal zum Abschuß freigegebenen Mitarbeiter bereits in diesem Jahr entlassen werden.

Zunächst hatte es am 20. März seitens der Direktion geheißen, die unter dem Vorwand der allgemeinen Wirtschaftskrise durchgeführte Arbeitsplatzvernichtung im letzten in der Hauptstadt verbliebenen industriellen Großbetrieb werde »erst« 2010 beginnen. Etwa 200 V&B-Beschäftigte waren am Donnerstagmittag dem Aufruf ihrer Personaldelegation sowie der im Betrieb vertretenen Gewerkschaften OGB-L und LCGB gefolgt und beteiligten sich zum Schichtwechsel an einer gut zweistündigen Protestkundgebung vor dem Fabriktor.

»Chronik eines angekündigten Todes«

»Massaker 2003, Massaker 2006, Massaker 2009« stand auf einem Sarg, mit dem der schleichende Rück-zug von Villeroy & Boch aus Luxemburg kritisiert wurde. Dahinter hatten Arbeiter ein Transparent mit der Aufschrift »Chronik eines angekündigten Todes« aufgehängt; ein Lautsprecher ließ »Die Internationale«, »Bella Ciao« und andere Lieber der Arbeiterbewegung erklingen.

Indem europaweit 900 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen, will die Konzernführung von Villeroy & Boch erklärtermaßen 50 Millionen Euro einsparen. »Doch hier geht es nicht nur um Kosten«, so Alain Mattioli vom OGB-L in einem Redebeitrag, »vor allem geht es hier um menschliche Schicksale«. Der Gewerkschaftssekretär erinnerte an die Millionenprofite, die die V&B-Aktionäre jahrelang einstrichen und noch immer einstreichen, sowie daran, »daß viele Kolleginnen und Kollegen bereits seit 20, 30 und mehr Jahren« in der Porzellanfabrik arbeiten, »teilweise sogar zusammen mit ihrem Partner«.

Nachdem auch das zweite Treffen der Personaldelegation und der Gewerkschaften mit der Konzernführung am Montag ergebnislos verlaufen war, sollen die Verhandlungen über einen sogenannten Sozialplan nun am 23. April fortgesetzt werden.

Zudem forderte Mattioli die Anwesenden auf, sich zusammen mit ihren Familien und Freunden am Samstag, dem 16. Mai an der vom OGB-L organisierten Manifestation gegen Sozialabbau zu beteiligen. Bisher haben auch die Eisenbahner vom Landesverband (FNCTTFEL) und die Staatsbeamtengewerkschaft CGFP erklärt, sie wollten massiv für den 16. Mai mobilisieren.

oe

Oliver Wagner : Freitag 10. April 2009