Dossier »Supermarché Boon«: Heute um 18.00 Uhr soll angeblich in Esch, Schifflingen und Petingen/Rodingen Schluss sein

Einstellen der Aktivitäten über Telefon mitgeteilt

Obwohl die rund 20 Mitarbeiter der Supermärkte Boon in Esch und
Schifflingen – größtenteils weibliche Angestellte – seit Tagen auf das
Schlimmste gefasst waren, so herrschte gestern kurz nach 14.00 Uhr
dennoch größte Aufregung unter dem Personal.

Seit Wochen schon hatte die Gerüchteküche gebrodelt, in beiden
Geschäften würden alle Aktivitäten eingestellt und die Räumlichkeiten
verkauft. Die Regale waren so gut wie leer, in Schifflingen war bereits
die Heizung abgestellt und vier Mitarbeiterinnen war schon vor Wochen
gekündigt worden. Konkretes hatte man dem Personal allerdings nicht
mitgeteilt (siehe »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« vom 9. Januar 2009).

Weshalb also die große Aufregung am gestrigen Nachmittag? Nun, kurz
zuvor hatte der Firmenleiter im Geschäft angerufen und dem Personal kurz mitgeteilt, am Samstag (heute) um 18.00 Uhr sei Schluss. Nicht allein in Esch/Alzette und Schifflingen, sondern auch in Petingen/Rodingen. Er habe Konkurs gemeldet. Am Samstagabend seien deshalb die Schlüssel auszuhändigen. Schluss, basta!

Mehr teilte er seinen Mitarbeiterinnen, die er noch vor Monaten als gut
und zuverlässig bezeichnet hatte, nicht mit. Dass er nicht persönlich im
Geschäft erschienen war, um sein Personal über die Situation zu
informieren, spricht wohl Bände.

Was tun, wollten die aufgebrachten und völlig verunsicherten
Verkäuferinnen von uns wissen. Denn im Unklaren darüber, an wen sie sich wenden sollten, hatten sie sich an unsere »Zeitung« gewandt.
Wir trafen dort im Supermarkt in der Alzette-Straße drei Verkäuferinnen
an, denen man die Verzweiflung im Gesicht ablesen konnte.

»Rechnet man die Jahre hinzu, die ich zuvor bei Grosbusch & Soanni
beschäftigt war (wurde von Boon übernommen), so arbeite ich schon seit
32 Jahren im gleichen Haus. Einen derart schäbigen Abgang hatte ich mir
allerdings nicht vorgestellt. Es ist wirklich skandalös, wie man mit uns
verfährt. Ich bin völlig enttäuscht und weiß nicht, wie ich mich
verhalten soll. Schließlich hat man mit bis dato noch kein offizielles
Dokument ausgehändigt. Uns wurde lediglich über Telefon mitgeteilt, am
Samstagabend die Schlüssel abzugeben und dann ab Montag zu Hause zu bleiben. Was ich allerdings nicht tun werde, beschwerte sich uns
gegenüber völlig deprimiert eine der beiden Personalvertreterinnen (seit
November des letzten Jahres).

Laut unseren Nachforschungen hatte der Firmenleiter bis gestern Abend
noch kein Konkursgeständnis beim Handelsgericht abgegeben. Wieso dann die Information an die Mitarbeiter, die Firma sei insolvent? Heute sei der letzte Arbeitstag. Was führt er im Schilde? Ohne uns zu weit aus dem Fenster wagen zu wollen, werden wir das ungute Gefühl jedoch nicht los, als wenn versucht würde, den Mitarbeiterinnen bewusst Fallen zu stellen, um ihnen später eventuelle Abgangsentschädigungen vorenthalten zu können. Was eine Riesensauerei wäre, allerdings kein Einzelfall.

Die Gewerbeinspektion (ITM), die wir im Beisein des Personals
kontaktierten, war über eine anstehende Geschäftsschließung nicht im
Bilde. Auch war sie bis gestern nicht mit Beschwerden seitens des
Personals befasst worden. Dies obwohl den Beschäftigten der Dezemberlohn noch geschuldet wird.

Abschließend sei erwähnt, dass von einer Schließung der drei Geschäfte
um die 30 Mitarbeiter betroffen wären. Im Lager in Zolver beschäftigt
Großhändler Boon ebenfalls um die 30 Leute. Wie wird es um deren Zukunft gestellt ist?

g.s.

Gilbert Simonelli : Samstag 10. Januar 2009