Unser Leitartikel:
Wenn junge Menschen wie Restmüll behandelt werden

Würde man eine Hitparade der Probleme aufstellen, bei deren Lösung die Regierung versagt hat, würde die Arbeitslosigkeit mit Sicherheit einen der ersten Plätze unter den Top Ten einnehmen.

Doch die so tüchtige Regierung und der noch tüchtigere Premierminister haben natürlich besseres zu tun und haben keine Zeit, sich um solche »Nebensächlichkeiten« wie die Arbeitslosigkeit zu kümmern.
Wichtiger ist, die Verluste der Banker zu verstaatlichen und die Profite der Arbeitsplatzvernichter à la Mittal, DuPont und Villeroy&Boch zu garantieren, nicht wahr?

Was für die Arbeitslosigkeit im allgemeinen zutrifft, gilt für die Jugendarbeitslosigkeit im besonderen. Inzwischen gibt es, offiziellen Angaben zufolge, mehr als 3.800 arbeitslose Jugendliche bis zum Alter von
30 Jahren.

Viele davon sind schon während langer Zeit ohne Arbeit, ohne dass sie – obwohl sie Dutzende von Vorstellungsgesprächen führten und Hunderte von Bewerbungsschreiben verschickten – die geringste Aussicht auf eine Anstellung hatten.

Manche wurden zwischendurch in einer zeitlich begrenzten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angestellt und arbeiteten für 80% des Mindestlohnes, um anschließend wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen zu werden. Den offiziellen Statistiken ist zu entnehmen, dass die Zahl der jungen Menschen auf Jobsuche, die zeitweise in solchen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingeschrieben sind, seit Jahren immer kleiner wird, obwohl die Jugendarbeitslosigkeit weiter zunimmt.

Völlig entmutigt, geben viele die Arbeitsuche auf, isolieren sich vom Rest der Welt oder flüchten sich in Scheinwelten, weil sie sich überflüssig und ausgestoßen fühlen und keine Perspektive sehen, und weil es dazu auch noch eine Menge Hohlköpfe, Profiteure und bürokratische Wasserträger des Systems gibt, die sie schikanieren, ihnen den Faulpelz anhängen und sie wie Restmüll behandeln wollen oder versuchen, ihnen einzureden, sie seien selbst schuld, weil sie zu einem gewissen Zeitpunkt nicht gewillt oder in der Lage waren, die geforderte Schulleistung zu bringen.

Dabei sind sie in erster Linie Opfer. Opfer eines verkorksten Schulsystems, einer indifferenten Umgebung, einer Regierung, die viel verspricht, aber wenig hält und eines kapitalistischen Systems, das ohne Rücksicht auf menschliche Verluste nach Maximalprofit strebt.

Die Kommunisten prangern das nicht nur an, sondern haben Alternativen, welche auch darauf hinzielen, allen Jugendlichen eine abgeschlossene Ausbildung und einen Arbeitsplatz zu sichern – auch jenen, die vorzeitig die Schule abbrachen und keine oder nur eine geringe Qualifikation haben.

Voraussetzung ist, dass die Jugendlichen nicht aufgeben, auf ihr Recht auf Arbeit pochen, sich nicht von allen möglichen falschen Propheten ablenken und von der Regierung und anderen Wasserträgern des Systems klein kriegen lassen, dass sie sich wehren, jeder für sich und solidarisch zusammen. Um sich eine Zukunft zu erkämpfen, in welcher es keinen Platz gibt für das das jugendfeindliche, menschenverachtende kapitalistische System.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Mittwoch 8. April 2009