Die Zukunft darf nicht allein einer gewissen Elite gehören

Mehr Arbeitsplätze für Unqualifizierte müssen her

Blättert man durch die Wahlprogramme der verschiedenen Parteien, so kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Denn nicht nur geben alle an, sich der dramatischen Situation auf dem Arbeitsmarkt vorrangig annehmen zu wollen – selbstverständlich im Interesse der Schaffenden und der Arbeitsuchenden –, auch versprechen sie, der Sozialpolitik im Allgemeinen und der stark zunehmenden sozialen Probleme im Besonderen einen großen Stellenwert einräumen zu wollen.

Versprechen, die eigentlich sowohl beruhigend wie auch zuversichtlich auf alle Schaffenden – ... und die es sein möchten – wirken könnten. Allerdings lehrt sie die Erfahrung, dass es sich bei solchen Aussagen meist nur um leere Versprechen handelt, die nach den Wahlen immer wieder schnell in der berühmten Schublade verschwinden. Denn ist es nicht das erste Mal, dass Regierungsparteien, oder solche, die es gerne werden möchten, der Arbeitslosigkeit und den sozialen Problemen den Kampf angesagt haben. Die nackten Zahlen, die einem jeden Monat vom Konjunkturkomitee gemeldet werden, zeigen allerdings, dass man den Wahlversprechen dieser Politiker kein Vertrauen schenken sollte.

Denn alle groß angekündigten Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit haben bis dato nicht gegriffen, so dass Luxemburg derzeit mehr als 13.000 Arbeitslose, um die 2.900 Frauen und Männer in Beschäftigungsmaßnahmen und nahezu 3.000 Teilinvaliden ohne Job zählt. Des Weiteren wurden in diesem Monat rund 10.000 Lohnabhängige auf Kurzarbeit gesetzt. So, und nicht anders sieht die Realität aus. Auch wenn die Regierungsparteien vor den letzten Parlamentswahlen etwas völlig andere versprochen hatten.

Nahezu 6.000 Arbeitslose sind älter als 40, genau so viele werden als unqualifiziert geführt und fast 4.000 aller Arbeitsuchenden sind schon mehr als 12 Monate ohne Job. Und was tun Regierung und Wirtschaft dagegen? Rein gar nichts. Sie verkünden bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass künftig vorrangig in Arbeitsplätze für Hochqualifizierte investiert wird. Anders ausgedrückt: die Zukunft wird künftig nur mehr einer gewissen Elite gehören.

Und was geschieht mit den weniger Qualifizierten? Hat man vor, diese Leute im Abseits verharren zu lassen? Wohl wissend, dass es sich vielfach um junge Menschen handelt. Wird man Jugendlichen, die die Schulbank ohne Qualifikation verlassen – solche wird es immer wieder geben, egal wie gut oder wie schlecht das Bildungsprogramm auch sein mag – künftig sagen müssen: »Pech gehabt, ihr seid zum ’Dahinvegetieren’ verdammt!«

Dabei steht die Gesellschaft auch diesen Menschen gegenüber in der Pflicht. Also gehören schnellstens Arbeitsplätze her, die auch weniger Qualifizierten zugänglich sein müssen. Staat, Gemeinden und Privatwirtschaft sind in dieser Hinsicht unbedingt gefordert. Auch muss verhindert werden, dass Arbeitsplätze für weniger qualifizierte Menschen weiter in großem Maße abgebaut werden. Will man die Arbeitslosigkeit jedoch wirklich erfolgreich bekämpfen, so reicht der Erhalt dieser Arbeitsplätze nicht einmal aus. Es müssen, wie bereits mehrfach erwähnt, unbedingt auch neue geschaffen werden. Sowohl im Dienstleistungssektor wie auch im industriellen Bereich. Des weiteren sollte auch, so wie es die Kommunisten in ihrem Wahlprogramm vorschlagen, in noch unterentwickelte Wirtschaftsbereiche wie die Holzindustrie sowie in den Obst- und Gartenanbau investiert werden. Arbeitsplätze, die mit Sicherheit auch für weniger qualifizierte Arbeitsuchende zugänglich wären.
Doch über solche Alternativen ist in den eingangs erwähnten Wahlprogrammen nichts zu lesen.

g.s.

Mittwoch 8. April 2009