Unsterblich blamiert

Die Tageszeitung des Herrn Bischof, die im­mer vor­gibt, für Wahrheit und Recht einzutreten, meldete gestern, die Gedenktafel für den tsche­chi­schen Selbstmörder Jan Palach, der sich während der konterrevolutionären Ereignis­se 1968 in Prag verbrannt hatte, sei gestoh­len worden. Es hätte noch nicht ermittelt werden können, wer der Urheber des »verwerflichen Schändungsakts« gewesen sei, schrieb j-lo im »Luxemburger Wort«, um anschließend in bester antikommunistischer Tradition zu fabulieren, es sei nicht auszuschließen, dass »ideologisch verbrämte Ewiggestrige« am Werk gewesen seien, denen die Gedenktafel noch immer ein Dorn im Auge sein könnte. Immerhin sei Palach »Mitauslöser für einen (langfristig) eingetreten Niedergang der kommunistischen Gewaltherrschaft« gewesen.
Womit die katholischen Schäfchen offensichtlich auf den Gedanken gebracht werden sollten, bei den Dieben könnte es sich um Kommuni­sten handeln.

Dank einer göttlichen Fügung erfolgte noch am gleichen Tag seitens der Internetzeitung wort.lu der Dolchstoß in den Rücken des tapferen Antikommunisten aus dem Bistumsblatt. Wie die Kollegen recherchiert hatten, war die Gedenktafel gar nicht gestohlen worden, sondern die Gemeindeverwaltung hatte sie abgenommen, um einen Schreibfehler zu korrigieren.

Nachdem j-lo seinerzeit den Kommunisten unterstellt hatte, sie hätten die US-ame­ri­kanischen Panzer im Bettemburger Militärlager mit einem Sabotageakt außer Gefecht gesetzt (was der damaligen Armeeminister wenige Ta­ge später dementieren muss­te), hat der »Wort-Jour­nalist« sich nun ein zweites Mal unsterblich blamiert.

Nik. Muller

Samstag 4. April 2009