Supermarkt Boon in Esch/Alzette und Schifflingen

Personal fühlt sich verlassen

Im September des letzten Jahres hatten wir von sich andeutenden Problemen im Supermarkt Boon in Esch/ Alzette berichtet – was damals von der Geschäftsführung allerdings vehement abgestritten wurde –, im Dezember schrieben wir, dass eine Einstellung der Geschäftsaktivitäten bevorstehen würde, seit Tagen nun hängt ein Schild an der Tür, das hohe Rabatte verkündet. Vier von sechs Personalmitgliedern ist bereits im vorigen Monat gekündigt worden (wir berichteten). Das Szenario, das wir nach den Sommerferien befürchtet hatten, bewahrheitete sich also.
Wann jedoch endgültig Schluss sein wird, darüber war das Personal gestern weiter im Unklaren. »Heute, morgen, oder…?«, antwortete uns eine völlig deprimierte Verkäuferin.

So unglaublich dies auch erscheinen mag, offiziell hat man dem Personal Genaueres noch nicht mitgeteilt. Das einzige was die Angestellten wissen, ist, dass Schluss ist. Dass sie in nächster Zukunft ohne Job sein werden. So mit dem Personal umzugehen, ist eine Schweinerei.

So darf und kann man Menschen, die die Geschäftsleiter noch im September als gute und verlässliche Mitarbeiter bezeichnet hatten, nicht behandeln. Beim Personal handelt es sich schließlich um Menschen, zum Teil mit Familie, und nicht um einfache Nummern oder Schachfiguren, die man bis zuletzt je nach Bedarf umher schieben kann.

Doch nicht allein in der Escher Alzette-Straße macht Boon dicht, auch die Aktivitäten in der Filiale in Schifflingen dürften eingestellt werden. Wann? Das wissen die Mitarbeiter auch dort nicht. Allerdings stehe eine Schließung unmittelbar bevor, meinte uns gegenüber gestern eine völlig verängstigte Verkäuferin. Darauf deuten jedenfalls die größtenteils leeren Regale sowie die derzeit dort herrschenden Arbeitsbedingungen hin. Die automatischen Türöffner sind in Panne. Auch die Heizungen funktionieren nicht, so dass die Mitarbeiter zeitweise bei Minustemperaturen ausharren müssen. Statt der normalen Arbeitskleidung sind sie gezwungen, Mäntel, Kappen und Handschuhe zu tragen, um sich gegen die Kälte zu schützen. Sprach da jemand in den Ministerien für Arbeit und Gesundheit von »Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz«? Dass ich nicht lache. Die Praxis sieht anders aus, meine Herren. Bei einer Visite in der Schifflinger Filiale können Sie sich persönlich davon überzeugen.

15 Mitarbeiter sind derzeit noch dort »beschäftigt«. Unseren meisten Fragen blieben sie allerdings eine Antwort schuldig. Zu sehr würden sie befürchten, wegen des Kontakts mit der Presse nach der Schließung nicht nur den Job, sondern auch das Anrecht auf Lohn und etwaige Abgangsentschädigungen zu verlieren, meinten sie. Konkretes wüss-ten sie sowieso nicht. »Schaut nach dem 10. Januar nochmals herein. Sollten wir noch hier sein, dann können wir euch vielleicht Näheres erzählen. Danke jedenfalls, dass zumindest Sie sich um unsere Situation gekümmert haben«, so eine Mitarbeiterin.

Dass sie sich verlassen fühlen, merkte man ihnen an. Sie seien weder von den Gewerkschaften, noch von der Gewerbeinspektion, die beide über Situation und Arbeitsbedingungen im Bilde seien, kontaktiert worden. – Was ebenfalls als völlig unverständlich zu betrachten ist.

Wie wir in Erfahrung bringen konnten, wurde das Lokal in Esch/Alzette an ein angrenzendes Kleidergeschäft verkauft, an den Räumlichkeiten in Schifflingen soll angeblich Cactus interessiert sein.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 9. Januar 2009