Frieden kriegt den Hals nicht voll

Obwohl die Kriminalitätsrate seit Jahren stagniert, fordert der Justizminister mehr und besser ausgerüstete Polizisten

Luc Frieden ist nicht leicht zufriedenzustellen: Auch wenn die am Mittwoch präsentierte Polizeistatistik für 2008 erneut zeige, daß Luxemburg »im internationalen Vergleich ein sicheres Land bleibt«, weil die Kriminalität seit Jahren »leicht zurückgegangen«, jedenfalls »nicht gewachsen« sei, hätte der Justizminister »am liebsten überhaupt keine Kriminalität«. Er kündigte an, den Personalbestand der großherzoglichen Polizei von derzeit 1.734 bis zum Jahr 2015 auf »etwas über 2.000« aufzustocken und diese Polizisten besser auszurüsten.

Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate mit 5.720 Straftaten pro 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr leicht gegenüber 2007 zurückgegangen und liegt damit nur leicht über dem für die vergangenen fünf Jahre ermittelten Durchschnittswert von 5.640 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Und in diesem – im Vergleich zu den drei Nachbarländern – traumhaften Wert sind noch nicht einmal die fast 150.000 Grenzgänger enthalten, die natürlich ebenfalls als Täter oder Opfer einer im Großherzogtum begangenen Straftat in Frage kommen.

Insgesamt, so Daniel Reiffers, der die Daten gestern im Detail präsentierte, bearbeitete die großherzogliche Polizei im vergangenen Jahr etwas mehr als 28.000 Fälle. Davon wurde fast die Hälfte (48,6 Prozent) aufgeklärt. Die Aufklärungsrate, die im Vorjahr bei 46,0 und 2004 bei 38,0 Prozent lag, konnte damit weiter verbessert werden. Dies wurde unter anderem auf die weitere Verbesserung der Auswertung von Tatortspuren zurückgeführt. Daß die Zahl der Eigentumsdelikte von 18.116 auf 17.374 weiter sank, während die der Delikte gegen Personen von 5.143 auf 5.650 zunahm, sei zumindest teilweise auf eine angeblich steigende Gewaltbereitschaft zurückzuführen.

Im vergangenen Jahr wurden 1.731 Einbrüche gemeldet, was einem Rückgang um 299 Fälle entspricht. Wobei es sich dabei nur in 910 Fällen um Gebäude gehandelt hat, die zur Tatzeit bewohnt waren. Die 2008 begonnene Aufklärungskampagne gegen Einbrüche soll in diesem und im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Raubüberfälle auf Banken oder Geldtransporter, von denen es 2000 noch acht gab, wurden mit einer Ausnahme 2004 seit nunmehr sechs Jahren nicht mehr verzeichnet. 2008 gab es jeweils fünf Überfälle auf Tankstellen und Geschäfte.

Die Zahl der Autodiebstähle, die 1993 noch bei rund 1.300 lag, ging von 445 auf 363 weiter zurück, was von Reiffers »in erster Linie auf technische Maßnahmen der Autoproduzenten« zurückgeführt wurde. Hingegen nahm die Zahl der vorsätzlichen Körperverletzungen von 2.030 im Vorjahr auf 2.317 weiter zu, was aber auch damit zusammenhänge, »daß solche Straftaten systematischer angezeigt werden«. Die Zahl der Tötungsdelikte blieb mit drei Morden und vier Totschlägen auf einem für Luxemburg relativ hohen Niveau, wobei betont wurde, daß alle sieben Fälle »im familiären Kontext stattfanden«.

Der Anteil der Jugendkriminalität, der im Vorjahr noch bei 13,3 Prozent lag, betrug 2008 nur noch 11,8 Prozent, wobei es sich dabei häufig um Handydiebstähle unter Jugendlichen handelte. Von insgesamt 260 Fällen von Diebstahl mittels Gewaltanwendung oder -androhung habe es sich 88 Mal um solche GSM-Diebstähle gehandelt. 2008 beschlagnahmte die Polizei zehn Kilogramm Hanfprodukte wie Marihuana und Haschisch, dreieinhalb Kilogramm Heroin und fast fünf Kilogramm Kokain.

Angesichts des jüngsten Amoklaufs in Deutschland werden laut Generaldirektor Romain Nettgen derzeit Polizisten theoretisch und praktisch auf solche Einsätze vorbereitet, wobei es vor allem darauf ankomme, den Polizisten zu vermitteln, »daß sie den Täter isolieren müssen und sich nicht um Verletzte kümmern können«.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 2. April 2009