Unser Leitartikel:
Endlich die richtige Fragestellung

Vor einigen Tagen forderte der Präsident der chinesischen Zentralbank, eine neue Leitwährung zu schaffen, die den Dollar als Weltwährung ablösen könnte. Für die Grundsteinlegung einer neuen Weltfinanzordnung hatte sich auch schon J.-C. Juncker als Präsident der Eurogruppe im November 2008 vor dem damaligen G-20-Gipfel ausgesprochen.

Doch unser Regierungspräsident war nicht zum Weltfinanzgipfel am 15. November eingeladen – vielleicht, weil er in einem Interview gesagt hatte: »Die USA müssen begreifen, daß sie sich nicht auf Kosten der ganzen Welt verschulden können«.

Die Frage einer internationalen Währung ist eine der Kernfragen in der heutigen Krise. Wird sie nicht gehört, kommt es zu kompetitiven Abwertungen wie in den Jahren nach 1932, und damit zu Wirtschaftskriegen, die, wie immer im Kapitalismus, Vorboten eines »richtigen Krieges« sind.

Die Frage der Weltwährung ist nicht neu. Sie stand schon zur Diskussion auf der Konferenz von Bretton Woods im Jahre 1944. Durch die Schaffung einer neuen internationalen Währungsstruktur sollte verhindert werden, daß Kriege wie der zweite Weltkrieg provoziert werden. Als Vertreter Englands schlug damals der bekannte Ökonom Keynes die Schaffung einer Weltwährung vor, die er »Bancor« nennen wollte. Sie sollte durch ein internationales Gremium in Form einer Weltzentralbank verwaltet werden.

Doch aus diesem Projekt wurde nichts, weil die britische Regierung während des Krieges bei den Verhandlungen über die Versorgungslieferungen aus den USA das Zugeständnis machen mußte, daß nach dem zweiten Weltkrieg der US-Dollar zur Weltwährung erkoren würde und seine Verwaltung allein der USA-Regierung unterstehen sollte. Der Dollar sei so gut wie Gold, wurde behauptet, und er könne auch zu jeder Zeit von anderen Zentralbanken zu einem festen Preis von 35 Dollar je Unze bei der US-amerikanischen Zentralbank umgetauscht werden. Von dieser Möglichkeit machten auch die Regierungen unter De Gaulle so lange Gebrauch, bis wegen der Kosten des Vietnamkrieges und durch das Drucken von Dollarscheinen so viele davon im Umlauf waren, daß die Goldreserven der USA nicht mehr für den Umtausch in Gold ausreichten. Die fixe Parität zwischen Dollar und Gold mußte Anfang der 70er Jahre aufgehoben werden. Der Vertrag von Bretton Woods war zusammengebrochen. Der Dollar aber behielt noch lange Jahre seinen Status als alleinige Weltwährung.

Die angehäufte Staatsschuld, das große Außenhandelsdefizit, die zusätzlichen Ausgaben für die Krisenbekämpfung zwingen die USA zur Ausgabe von immer mehr Staatsschuldpapieren. China, das schon für annähernd 1.000 Milliarden Dollar derartige Schuldpapiere angehäuft hat, zögert verständlicherweise, noch weitere zu kaufen. Wenn die Käufer für US-Schuldscheine wegfallen, muß die US-Zentralbank sie aufkaufen, und da sie dazu kein Geld hat, muß sie Hunderte von Milliarden Dollar drucken lassen, so daß es zu einer riesigen Ausweitung der Geldmenge kommt, sowie der damit verbundenen Gefahr der Inflation. Es ist verständlich, daß die USA die Rolle des Dollars als Weltwährung beibehalten möchten, da sie ihnen so viele Vorteile bringt. Aber die wirtschaftliche Stärke der USA und ihr Gewicht im Welthandel rechtfertigen diese Rolle nicht mehr.

Schade, daß unser Premier auch bei diesem G-20-Gipfel nicht dabei sein wird, um die Währungsfrage zur Diskussion zu bringen.

Aloyse Bisdorff

Mittwoch 1. April 2009