Gandrange: Ofen aus

Sarkozys im Februar 2008 gegebenes Versprechen »Unser Ziel ist es, die Fabriken am Leben zu halten, denn ein Land ohne Fabriken ist ein Land ohne Wirtschaft.« hat sich endgültig als leer erwiesen. Am gestrigen Dienstag legte der Stahlkonzern ArcelorMittal den einzigen Elektroofen und eine Walzstraße in Gandrange still, was 571 Arbeitern ihren Arbeitsplatz kostete. Lediglich das Knüppelwerk und die Drahtstraße des Werkes, wo derzeit noch 537 Arbeiter beschäftigt sind, bleiben – zumindest vorerst – bestehen.

Konzernangaben zufolge wurden 128 der 571 von der Arbeitsplatzvernichtung in Gandrange betroffenen Arbeiter frühzeitig in Rente geschickt, 17 erhalten vor Ort eine Umschulung oder Weiterbildung und 61 wurden in andere ArcelorMittal-Werke, vor allem nach Florange und an die Standorte in Luxemburg, versetzt. Der Personalabteilung zufolge sind derzeit noch 31 weitere Wechsel in Bearbeitung.

Die Gewerkschaften, die sich im vergangenen Jahr mit mehreren Streiks sowie Manifestationen in Luxemburg, Gandrange und Brüssel gegen die Abbaupläne gewehrt haben, kritisieren die Stillegung des Herzstücks des ehemaligen Vorzeigewerkes und verweisen auf die fetten Gewinne, die Stahlbaron Lakshmi Mittal dort bis 2005 Jahr für Jahr einfahren ließ. Die Confédération Générale du Travail (CGT) befürchtet zudem, daß Mittal nun bald auch »sein« Stahlwerk im luxemburgischen Schifflingen in Frage stellen wird.

Hatte Sarkozy bei seinem Blitzbesuch in Gandrange noch getönt, der französische Staat werde »die notwendigen Investitionen zum Teil oder ganz übernehmen« und in zwölf Monaten komme er wieder, um mit den Stahlarbeitern die »erfolgreiche Anschubfinanzierung« zu feiern, so wurde nichts aus den Subventionen und der Präsident hat sich bis heute dort nicht mehr blicken lassen.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 1. April 2009