Immer mehr Langzeitarbeitslose und ältere Arbeitsuchende

In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich angestiegen. Und zwar von 2.916 Ende Februar 2006 auf 3.916 Ende des letzten Monats. Innerhalb von nur 36 Monaten demnach eine Steigerung von genau 1.000 Arbeitsuchenden, die länger als 12 Monate erfolglos auf Jobsuche sind. Und deren Chancen, wieder ins aktive Leben zurückzufinden, von Monat zu Monat geringer werden. Im Prinzip trifft dies derzeit auf jeden dritten Arbeitslosen zu.

Spricht man den zuständigen Minister auf diese beängstigende Entwicklung an, so erhält man immer wieder als Antwort, dass ihn dieses Problem nicht nur sehr beschäftige, sondern auch beunruhige. Zumal praktisch im Parallelschritt ja auch die Zahl der Arbeitsuchenden, die älter als 40 sind, permanent ansteigt. Waren es deren vor nur zwei Jahren noch 3.235, so ist diese Zahl heute auf 5.868 angewachsen. Insgesamt sind heute 45,1% aller Arbeitslosen älter als 40. Davon gehören 3.347 der Kategorie 41 bis 50 Jahre und 2.357 der Kategorie 51 bis 60 Jahre an. 164 Arbeitsuchende sind älter als 60.

Während also auf der einen Seite EU und OECD nicht müde werden, Luxemburg dafür zu kritisieren, dass im Großherzogtum die Menschen angeblich viel zu früh aus dem aktiven Leben treten, werden in der Praxis Arbeitsuchende, die zwischen 40 und 60 sind, immer wieder auf ihre »Untauglichkeit« hingewiesen, indem ihnen die Türen ins aktive Leben versperrt bleiben.

So und nicht anders sieht die bittere Realität aus, ganz gleich was die Regierung auch sagt und das Patronat bei Umfragen immer wider vorzutäuschen versucht. Erinnert sei in dieser Hinsicht an eine noch ziemlich rezente Studie von CEPSIn­stead, bei der 95 Prozent aller befragten Firmen angaben, großen Wert auf die Berufserfahrung älterer Mitarbeiter zu legen. Als positiv hätte man damals auch bewerten können, dass 92 Prozent der Unternehmer die Ansicht vertraten, dass Ältere nicht öfter am Arbeitsplatz fehlen als Jüngere und dass sie ihre Arbeit genau so gut und ähnlich schnell auszuführen imstande sind wie Jüngere (75%). Unterstreichen muss man hierbei allerdings das Wort hätte, denn in der Praxis handeln die Firmen völlig anders.

Erinnert sei daran, dass in besagter Studie auch so manches gegen ältere Arbeitsuchende sprach. So trauten 70 Prozent der Befragten jüngeren Arbeitern eine weitaus größere Polyvalenz zu und 52 Prozent erklärten offen, dass ältere Arbeiter die Lohnkosten des Betriebs zu sehr belasten.
So oder so muss nach wie vor an der Ehrlichkeit gewisser Antworten gezweifelt werden – die Umfrage war bei etwa 1.300 Unternehmen aus dem Privatsektor durchgeführt wor­den. Und zwar zu Recht, wie es auch die am Mittwoch vom Konjunkturkomitee veröffentlichten Zahlen deutlich zeigen. Sowohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen wie auch die der älteren Arbeitsuchenden stieg weiter an.

Fakt ist, dass Arbeitsuchende in Luxemburg nicht erst mit 50, sondern immer häufiger schon mit 40 zum alten Eisen gezählt werden. Eine Entwicklung, die äußerst beängstigend ist.

g.s.

Gilbert Simonelli : Samstag 28. März 2009