Wieder ein Schwarzer Freitag für die Schaffenden

Swissport verläßt Findel – 250 Arbeiter beim Steinseler Autozulieferer Elth im »chômage conjoncturel« – Maschinenbauer Husky entläßt 33 Mitarbeiter in Düdelingen

Nachdem der deutsche Keramikhersteller Villeroy & Boch am Freitag vergangener Woche angekündigt hat, die Produktion in Luxemburg-Rollingergrund einzustellen und mindestens 230 Mitarbeiter zu entlassen, bescherte das Patronat den Schaffenden gestern erneut einen Schwarzen Freitag. So teilte der LCGB mit, das Bodenabfertigungsunternehmen Swissport Cargoservices Luxembourg werde dem Findel bis zum Herbst den Rücken kehren. Bereits nächste Woche würden für die 39 Mitarbeiter der weltgrößten Ser­vicegesellschaft für Fluggesellschaften und Flughäfen die Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen.

Die im Städtchen Opfikon nahe dem Flughafen Zürich ansässige Swissport International AG hat an 187 Flughäfen in 43 Staaten rund 30.000 Mitarbeiter. Mit der Wartung und dem Betanken von Flugzeugen, der Beförderung von Luftfracht, der Sicherung von Flughäfen sowie mit Dienstleistungen für Flugpassagiere und anderer Servicedienste bescherten sie »ihrem« Unternehmen im vergangenen Jahr den elften Umsatzrekord in Folge. Ein Umsatz von fast zwei Milliarden (1,896 Mrd.) Schweizer Franken, zu dem alle drei Geschäftseinheiten (Ground Handling, Cargo und Specialty Services) sowie die wichtigsten Märkte (Europa und USA) gleichermaßen beigetragen hätten, zeige zwar, daß man dem »schwierigen Marktumfeld getrotzt« habe, man sehe sich aber dennoch »vor großen Herausforderungen«, hatte Swissport vor wenigen Tagen bei der Präsentation der Jahresergebnisse erklärt.

Auf dem Findel fertigten Swissport-Mitarbeiter bereits seit sieben Jahren Fracht ab. Erst Ende letzten Jahres erhielt der Konzern eine weitere Lizenz für die Bodenabfertigung von Passagieren, die eigentlich eine Laufzeit von sieben Jahren hat. Nachdem sie aber bis Februar keinen einzigen Kunden fand, gab die Swissport die Lizenz wieder zurück. Nun wollen die Schweizer dem Standort Luxemburg bis zum 1. Oktober den Rücken kehren. Wie der Radiosender RTL gestern berichtete, wurden die Infrastrukturen auf dem Flughafen bereits gekündigt. Einen entsprechenden Brief habe die Betreibergesellschaft LuxAirport am Donnerstag erhalten.

Derweil teilte der OGB-L am Freitag mit, beim Automobilzulieferer Elth in Steinsel befänden sich seit dem laufenden Monat 250 Arbeiter im »chômage partiel conjoncturel«. Die Konzernführung habe sich an die Personaldelegation, den »Comité mixte« sowie die Gewerkschaften OGB-L und LCGB gewandt, und die Ausarbeitung eines Beschäftigungsplans vorgeschlagen. Die Verhandlungen über einen »Plan de maintien dans l’emploi« würden am Donnerstag nächster Woche fortgesetzt.

Im Elth-Werk in Steinsel, in dem unter anderem Sensoren für Autoheizungen hergestellt werden, ist ein großer Teil der insgesamt etwa 580 Mitarbeiter bereits seit Monaten auf Kurzarbeit gesetzt. Gerade in der Industrie, in der sonst in Schichten gearbeitet wird, hat eine solche, vom Staat subventionierte Maßnahme erhebliche Lohneinbußen zur Folge. Konzernangaben zufolge ist der Umsatz von Elth in den vergangenen sechs Monaten um 40 Prozent zurückgegangen.

Wie das »Tageblatt« gestern berichtete, entläßt der kanadische Maschinenbauer Husky 33 Mitarbeiter aus seinem Düdelinger Werk, wo die Produktion von Großmaschinen gänzlich eingestellt wird. Dies sehe ein sogenannter Sozialplan für Husky Injection Molding Systems vor, den die Gewerkschaften zusammen mit der Direktion ausgehandelt hätten. »Ursprünglich sollten 130 Arbeitsplätze verschwinden«, heißt es in der Meldung weiter, in den meisten Fällen seien Entlassungen aber mit internen Umbesetzungen verhindert worden. 24 Beschäftigte habe man einer »Cellule de reclassement« zugewiesen, in der ihnen nun eine Umschulung angeboten werde.

oe

Oliver Wagner : Samstag 28. März 2009