Leistungsbericht des Verkehrsverbunds:

Selbstzufriedenheit und Ministerglück

Der Verkehrsverbund, geschaffen mit Gesetz vom 29.6.2004, hat mit 5 Leuten 2005 zu arbeiten begonnen. Zum 31.12.2008 waren es deren 21, wobei das Budget von 2007 auf 2008 um 47,9% auf 3,882 Mio. € anstieg. Rund 450.000 € kamen aus der Vermarktung der Busaußenflächen zu Werbezwecken, der Rest ist Budgetgeld.

Die Mobilitätszentrale am Hauptbahnhof Luxemburg ist derart erfolgreich, daß nun ein Platz im Süden (Bahnhof Esch oder Belval?) und einer in der Nordstadt (umgestalteter Bahnhof Ettelbrück?) gesucht wird für eine Antenne.

2008 gab es pro Woche im Durchschnitt 8.500 Kundenkontakte, 2007 waren es erst 6.580. Dazu kamen 2008 pro Monat 373.744 Routen- und Fahrplananfragen übers Internet auf www.mobiliteit.lu, im Jahr davor waren es erst 127.938 (nach dem Motto, wie komme ich am besten von Bofferdingen nach Useldingen oder so). Das ging bisher von Haltestelle zu Haltestelle, in diesem Jahr soll es nun möglich werden, als Beginn- und Endpunkte konkrete Hausnummern in Straßen anzugeben.

Das alles ist Ursache zu perfekter Zufriedenheit bei den Verantwortlichen des Verkehrsverbunds und zu regelrechtem Ministerglück für einen Lucien Lux, der sich als Umweltminister zu später Stunde am Vortag noch bitterlich beklagt hatte, daß die Opposition gewagt hatte, seine Aussagen zur CO2-Reduzierung als falsch zu kritisieren, weil dieser 23% zum Soll fehlen, weil’s nicht -28%, sondern nur -5,2% gegenüber 1990 im letzten Jahr waren.

Immerhin: noch nie gab es ein so großes öffentliches Verkehrsangebot in Luxemburg und noch nie wurde es so intensiv genutzt: 2008 gab es 39,8 Mio. Passagiere in Zug und Bus, die 53,134 Mio. km zurücklegten. Es gab also 11,6% mehr Fahrgäste als im Vorjahr, wobei der Zuwachs im Zug weit über jenem im Bus lag, obwohl die Zahl der Buslinien um 28% von 225 auf 288 anstieg: ein eindeutiger Hinweis, daß Komfort siegt, ein klares Argument für die direkte Weiterführung des Zuges unter Oberstadt, Limpertsberg und Kirchberg, die Lux nicht will.

Das Experiment Rufbus im Kanton Capellen ist von 300 auf 2.000 monatliche Nutzer gekommen und soll daher um ein zweites Jahr verlängert werden, bevor Schlußfolgerungen gezogen werden. Das ist dann nach den Parlamentswahlen statt davor.

20.000 Besucher der Rock-halle kamen 2008 mit dem Zug: der Konzerteintritt berechtigt zur kostenlosen Zugfahrt. Das war die gescheitere Wahl gegenüber jenen, die immer noch mit dem Auto kommen, und sich dann beschweren, daß sie zwei Stunden brauchen, um nach dem Konzert aus Belval-West rauszukommen.

Schön ist, daß dem Verkehrsverbund bewußt ist, daß der Grenzzuschlag auf der Schiene ein abzuschaffendes Hindernis für eine bessere Nutzung durch Pendler ist.

Da immer noch der Gratistransport im öffentlichen Verkehr nicht eingeführt ist, obwohl er ein Traum des Lucien Lux bleibt, ist es für Zugschaffner ein Ärgernis, daß sie die e-go-Kontrollgeräte immer noch nicht haben. Gestern hieß es, die Programmierung der Geräte stünde vor dem Abschluß, sie würden demnächst ausgeliefert: also Vorsicht für jene, die sich zur Zeit benehmen, als sei das entsprechende Wahlversprechen der LSAP verwirklicht.

Neu ab 1.5.2009

Ab 1.5.2009 kommt es zu einer kleinen Tarifreform. Es wird dann möglich, ein Jahresabonnement für die Nutzung des gesamten Angebots im öffentlichen Verkehr über monatliche Zahlungen zu beziehen: es brauchen also dann nicht mehr 400 € unter einem hingelegt zu werden. Großfamilien, die bisher bis zum Monatsabo 50% Rabatt erhielten, kriegen ab dann auch ein solcher Art reduziertes Jahresabo.

Betrieben wie Verwaltungen wird angeboten, mit dem Verkehrsverbund eine Konvention zu schließen, um so verbilligte Jahresabos für ihr Personal zu beziehen.

Dafür müssen entweder mindestens 10 Abos bezogen werden, oder aber Abos für mindestens 10% des Personals. Für 10-50 Abos oder für Abos für 10-25% der Belegschaft gibt es 10% Rabatt, für 50-200 Abos oder für 25-50% der Belegschaft gibt es 15% Rabatt, für 200-500 Abos oder für über 50% der Belegschaft gibt es 20% Rabatt, wobei die jeweils günstigere Variante Anwendung findet. Die Betriebe werden intensiv gebeten, das Angebot zu nutzen und ihrer Belegschaft mindestens weitere 20% Rabatt auf ihre Kosten zu gewähren.

jmj

Freitag 27. März 2009