Es weht ein kalter Wind

Im Februar waren offiziell 13.006 Männer und Frauen arbeitslos – Kurzarbeit für 10.410 Beschäftigte im April genehmigt

Nicht nur über Luxemburg, auch über seinen Arbeitsmarkt weht derzeit ein kalter Wind. Offiziell waren Ende Februar 13.006 im Großherzogtum wohnende Männer und Frauen arbeitslos. Das sind nochmals 208 registrierte Erwerbslose mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenrate stieg somit weiter von 5,5 Prozent im Januar auf 5,6 Prozent. Gleichzeitig befanden sich 2.870 Personen in Beschäftigungsmaßnahmen, die somit nicht als arbeitslos geführt werden. Beim Konjunkturkomitee gingen dieses Mal 135 Anträge auf Kurzarbeit ein, von denen 108 genehmigt wurden. Im April können somit 10.410 Beschäftigte vom Patronat auf Kurzarbeit gesetzt werden. – Nach 9.210 im März, 6.919 im Februar und 4.082 im Januar.

»Normalerweise«, so Arbeitsminister François Biltgen am Mittwoch nach der Sitzung des Konjunkturkomitees, gehe die Arbeitslosenzahl im Februar zurück. Hingegen sei sie dieses Mal um 1,6 Prozent gestiegen. Dabei tröstete sich Biltgen damit, daß der Zuwachs immerhin nicht so stark ausgefallen ist wie im Januar. Er räumte aber ein, daß die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Februar vergangenen Jahres um nicht weniger als 27,7 Prozent zunahm. Auf eine »zeitliche Verschiebung aus statistischen Gründen« führte Biltgen die Tatsache zurück, daß im Februar mit 7.107 Arbeitslosen 1.001 Personen mehr eine Arbeitslosenentschädigung erhielten als im Januar.

Wie üblich betonte Biltgen auch gestern, daß in Luxemburg »noch immer Arbeitsplätze geschaffen werden«, doch sei die Zahl der freien Stellen um 17,7 Prozent gegenüber dem Vormonat und sogar um 35,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf bescheidene 1.495 Ende Februar gesunken.

Von den 108 Betrieben, denen das Konjunkturkomitee erlaubte, im nächsten Monat Kurzarbeit zu fahren, hätten 58 die Anträge auf Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen gestellt, 37 – vornehmlich Industrie-, Zuliefer- und Transportfirmen – aus ökonomischen und 13 aus strukturellen Gründen. Von diesen 13 zuletzt genanten Unternehmen hätten nur sieben Beschäftigungspläne ausgehandelt. Die Kosten für die staatliche Subventionierung der Kurzarbeit gab Biltgen mit »leicht unter 14 Millionen Euro im April« an, nachdem sie im März bei »leicht über 14 Millionen Euro« gelegen hätten.

Laut Wirtschaftsminister Jeannot Krecké ist die Industrieproduktion im vierten Trimester 2008 um 17 Prozent gesunken, was vor allem auf den Einbruch bei der Stahlindustrie zurückzuführen sei, deren Ausstoß sogar um 40 Prozent sank. Hingegen sei der Rückgang beim Finanzsektor »nicht dramatisch« und er hoffe auf »eine Rückkehr des Vertrauens in den nächsten Monaten«, damit sich die Banken wieder gegenseitig Geld leihen. Hinsichtlich des luxemburgischen Einzelhandels erklärte Krecké, dessen Umsätze seien im vierten Trimester um etwa 0,5 Prozent gegenüber dem dritten Trimester 2008 gesunken. Der Rückgang sei also »nicht extrem ausgefallen«, was auf das Konjunkturpaket der Regierung zurückzuführen sei, mit dem »die Kaufkraft gestärkt wurde«.

Einen »Vollbremsungseffekt« machte Krecké hingegen im Bausektor aus. Dieser sei auf die »allgemeine Vertrauenskrise« im vierten Trimester 2008 zurückzuführen, in dem ungefähr 30 Prozent weniger Baugenehmigungen erteilt worden seien. Der bisher erwartete Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,8 Prozent im laufenden Jahr werde wohl noch deutlich größer ausfallen, wenn erst die Vorhersagen für das erste Trimester 2009 vorliegen. Trotzdem hoffe er, »daß es langsam besser wird«.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 26. März 2009