Villeroy & Boch, ArcelorMittal, Goodyear, Dupont, Husky, Zulieferbetriebe

Nur die Spitze des Eisbergs...

Viele der 230 Beschäftigten von Villeroy & Boch, denen vorige Woche völlig unerwartet mitgeteilt worden war, dass der Keramikhersteller im kommenden Jahr die Produktion in Luxemburg einstellen wird und sie deswegen ihren Job verlieren werden, verstehen die Welt nicht mehr. So manche fühlen sich verlassen und betrogen. Und dies zu Recht.

»Ich arbeite seit nahezu 25 Jahren bei Villeroy und habe somit alle Restrukturierungen der letzten Jahre miterlebt«, erzählte uns dieser Tage eine sichtlich enttäuschte Mitarbeiterin. Joëlle erinnert sich noch sehr gut daran, als man ihr Ende der 90er Jahre einen freiwilligen Abgang durch finanzielle Spritzen schmackhaft zu machen versuchte. »Ich war damals allerdings bereits knapp über 40 und wollte kein unnötiges Risiko eingehen. Deshalb entschied ich, zu bleiben.«

Es folgten drei Restrukturierungen, allesamt an einen massiven Arbeitsplatzabbau gekoppelt. Von einst rund 1.000 Beschäftigten blieben nach der letzten Restrukturierung im Jahre 2006 nur mehr 320 übrig.
»Jedes Mal hieß es, ein Abbau von Arbeitsplätzen sei unumgänglich. Nur so sei aufgrund des harten Wettbewerbs die Zukunft des Standorts längerfristig abzusichern. Leider schlossen sich die Gewerkschaften diesen Erklärungen an. Statt Überlegungen für den Erhalt der Arbeitsplätze zu führen, überwogen ein jedes Mal die Diskussionen über die Höhe der Abgangsentschädigungen.

»Wer sich allerdings gegen die Abbaupläne stemmen und offensiver auftreten wollte, wurde stets zurückgepfiffen. Leider auch von den Gewerkschaften. Immer wieder mussten wir uns anhören, dass derjenige die Marschroute bestimme, der am langen Hebel sitze. Und das sei nun mal das Patronat«.

So wurde halt immer wieder »gerettet«, »gerettet«, ... und nochmals »gerettet«. Was schlussendlich am Ende all dieser Rettungsaktionen steht, wissen wir seit voriger Woche. Die Produktion wird eingestellt, 230 Arbeitsplätze vernichtet.

»Ähnlich wie ich, so werden viele meiner Kolleginnen und Kollegen es ebenfalls äußerst schwer haben, einen neuen Job zu finden. Besonders in der heutigen Krisensituation. Auch, oder gerade weil unsere Kenntnisse, die wir uns im Betrieb angeeignet haben und uns in der Bearbeitung von Keramik zu Facharbeitern machten, bei der Hilfe nach einer neuen Beschäftigung nicht oder nur kaum von Nutzen sein werden.«

Zu befürchten ist, dass die Einstellung der Produktion in Rollingergrund nur der Anfang einer ganzen Reihe von Hiobsbotschaften sein könnte. Und ihren Höhepunkt womöglich erst nach den Wahlen vom 7. Juni haben wird. Der Deckel konnte jedenfalls nicht bis zu diesem Datum auf dem Pulverfass gehalten werden.

Neben den Beschäftigten von Husky, wo bereits vor Wochen ein massiver Arbeitsplatzabbau angekündigt wurde, und den Tausenden von Mitarbeitern von Betrieben wie ArcelorMittal, Goodyear und Dupont, in denen seit Monaten schon auf Sparflamme gefahren oder kurzgearbeitet wird – insgesamt sind in diesem Monat landesweit um die 9.000 Beschäftigte auf Kurzarbeit gesetzt worden –, sind die Arbeiterinnen und Arbeiter von Villeroy & Boch nun die ersten, die infolge der Finanz, Wirtschaftskrise und Systemkrise ihren Job aufgrund einer Betriebsschließung verlieren werden.

Ob es dabei bleiben wird? Sicherlich nicht. Zumal es den im kapitalistischen System eingebundenen Parteien an Alternativen fehlt, der Krise entgegenzuwirken. Umso wichtiger wird es sein, am 7. Juni die Kommunisten zu stärken.

g.s.

Gilbert Simonelli : Donnerstag 26. März 2009