Jugend trifft sich in Südafrika

17. Weltfestspiele von Präsident Zuma eröffnet / 3.000 Teilnehmer aus 109 Ländern

In Südafrika haben sich mehr als 3.000 Delegierte aus über 100 Ländern zu Weltfestspielen der Jugend und Studenten versammelt. Es ist seit 1947 das 17. Weltjugendfestival und das erste im subsaharischen Afrika. Insgesamt werden mehrere zehntausend Menschen erwartet.

Die Eröffnung beschwor die Zeit des Befreiungskampfes. Unter tosendem Beifall begrüßte Südafrikas Präsident Jacob Zuma Tausende von Jugendlichen aus aller Welt. Die Feier im Stadion des Townships Atteridgeville bei Tshwane (Pretoria) sollte auch an die Zeit erinnern, als der Kampf gegen Kolonialismus und Rassismus ganz oben auf der Tagesordnung der Weltfestspiele stand. In Atteridgeville selbst hatte es damals Unruhen, Proteste und Schulboykott gegeben, 1988 auch einen Bombenanschlag des ANC.

In diesen Tagen steht eine Vielzahl sozialer, politischer und ökonomischer Themen beim Festival im Mittelpunkt von Veranstaltungen und Diskussionen.

Bevor der Präsident des WBDJ die Delegierten begrüßte, wurden Salutschüsse abgefeuert und die südafrikanischen Luftstreitkräfte boten eine Flugshow direkt über dem Stadion. In seiner anschließenden Rede legte der WBDJ-Präsident Tiago Vieira einen Schwerpunkt auf die Solidaritätsarbeit des WBDJ – früher mit Ländern wie Südafrika, heute mit Genossen aus Westsahara oder Palästina. Solidarität war auch ein wichtiger Punkt in der Rede des Präsidenten der ANC-Jugend, Julius Malema. Er erinnerte an die Rolle des WBDJ beim Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Besonderen Wert legte er auf die Rolle Kubas in diesem Kampf und betonte, daß sie sich solcher Freunde niemals schämen müßten. Sie hätten dabei von den Besten lernen dürfen, von Menschen wie Bolívar, Martí, Lenin, Gandhi, Marx und vielen anderen.

Zuma selbst hatte bereits bei der Eröffnung die fehlende wirtschaftliche Unabhängigkeit vieler ehemals kolonial abhängiger Staaten als einen der Gründe für Armut und eines der globalen Probleme thematisiert.

Unter Bezug auf das Thema der Weltfestspiele »Laßt uns den Imperialismus besiegen« bezeichnete der südafrikanische Präsident die wirtschaftliche Marginalisierung der Entwicklungsländer als Imperialismus von heute. Er hob mangelnde Bildung hervor, weltweit gibt es allein unter den Jugendlichen noch 130 Millionen Analphabeten. Zuma weiß, wovon er spricht, unzureichende Bildung ist auch im Land am Kap ein großes Hemmnis wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Unlängst hatte Bildungsminister Blade Nzimande eingestanden, daß Südafrika auf diesem Gebiet schlechter dasteht als einige ärmere Nachbarstaaten.

Arbeitslosigkeit ist ein weiterer Schwerpunkt. In Diskussionen der Delegierten an verschiedenen Orten der südafrikanischen Provinz Gauteng geht es auch um Menschenrechte.

Beschworen wird beim Festival der Geist antiimperialistischer Solidarität, der einst die Weltfestspiele prägte. Besonders herzlich begrüßt wurden die Delegationen Kubas, Vietnams und Venezuelas.

Nicht zufällig verkündete Südafrikas Präsident Zuma wenige Tage vor dem Festival Kuba den Erlaß der Schulden gegenüber Südafrika und erhielt dafür viel Beifall. Kuba genießt nach wie vor im ANC Südafrikas hohes Ansehen.

Wenn das Weltjugendfestival vorüber ist, wird sich Südafrikas Jugend auch innenpolitisch wieder zu Wort melden. Mit ihrem hohen Anteil Arbeitsloser ist sie besonders aktiv bei Protesten gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung. Politisch hat die ANC-Führung unter Zuma derzeit Probleme mit Teilen der ANC-Jugendliga, wird aber von der Kommunistischen Jugendliga unterstützt. Zumas aktives Auftreten beim Weltjugendfestival soll seine politische Position auch in Südafrikas Jugend wieder stärken.

Hans-Georg Schleicher

Sonntag 19. Dezember 2010