»Mehr war nicht zu erwarten«

Universität: Forschungsschwerpunkt »Etudes luxembourgeoises« präsentiert Jahresbericht 2008

Zufriedenheit über das im vergangenen Jahr Erreichte herrschte am Dienstag auf dem Campus Walferdingen der Universität, als nicht weniger als fünf Professoren den Jahresbericht 2008 des Forschungsschwerpunktes Luxemburgstudien vorstellten. Bei den »Etudes luxembourgeoises«, so ihr offizieller Name, handelt es sich um einen von insgesamt sieben Forschungsbereichen, die an der Uni Luxemburg höchste Priorität genießen sollen.

Nach Angaben des für den Forschungsschwerpunkt verantwortlichen Prof. Dr. Michel Pauly haben die – inklusive der Doktoranden – etwa 100 Forscher in den vergangenen zwölf Monaten acht Bücher und 52 Artikel in Fachzeitschriften und Sammelbänden produziert sowie 61 Beiträge auf nationalen und internationalen Kolloquien gehalten. Zusätzlich habe man noch 18 Fachtagungen selbst organisiert und momentan seien 22 Doktorarbeiten in der Mache. Dies sei »relativ viel«, man hoffe auf »noch mehr« in den nächsten Jahren.

Wichtiger als die Quantität sei freilich die Qualität des Produzierten. Hier zeigte sich Pauly erfreut über die vor knapp zwei Wochen von einer ausländischen Expertenkommission vorgestellten Ergebnisse einer externen Evaluation der Universität. Das siebenköpfige Evaluationskomitee um den ehemaligen Rektor der Universität Island Páll Skulason war vom Hochschulministerium eingesetzt worden. Ihm gehören Experten aus Frankreich, Belgien, Schottland und Norwegen an.

Auf der verwendeten Notenskala von AA (sehr gut) über A (gut) und B (befriedigend) bis C (unbefriedigend), erreichten die Luxemburgstudien zusammen mit drei weiteren Forschungsprioritäten die Note A, während sich zwei weitere mit einem B begnügen mußten und ein Schwerpunkt nicht evaluiert wurde. »Mehr war – nur drei, vier Jahre nach Gründung der Uni Lëtzebuerg – nicht zu erwarten«, befand Pauly. Die Evaluation habe obendrein zu einem »gruppendynamischen Prozeß« geführt, der die beteiligten Forscher habe enger zusammenwachsen lassen. Weil der Forschungsschwerpunkt für bestehende Bremsen »nicht selbst verantwortlich« sei, wollte sein Leiter darüber nicht sprechen.

Wie Prof. Dr. Michel Margue, der Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, erläuterte, will der Forschungsschwerpunkt Luxemburgstudien die Entwicklung der luxemburgischen Gesellschaft begleiten und mit einem akademischen Ansatz »in Raum und Zeit« sowie »in ihren Identitäten« analysieren. Vor allem gehe es dabei um Fragen der Sprachen und Literaturen, doch auch soziologische, politische und landesplanerische Studien gehörten dazu. Auch wenn der genaue Name noch nicht feststehe und es – abermals »aus externen Gründen« – zu Verzögerungen gekommen sei, kündigte Margue einen Masterstudiengang »Etudes luxembourgeoises« an.

Das 2006 gegründete Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises, so sein Leiter Prof. Dr. Peter Gilles, biete auch in Zukunft die Ausbildung »Lëtzebuergesch als Friemsprooch« an, die sich an künftige Lehrer richte, die in der Erwachsenenbildung tätig werden wollen. Vor allem aber betreibe es Grundlagenforschung. So werde unter dem Namen »Lexicolux« das lexikographische Wissen über das Luxemburgische erschlossen und vernetzt, mit »Luxogramm« werde ein grammatisches Informationssystem zum Luxemburgischen erstellt, im Projekt »Verbolux« werde versucht, die luxemburgischen Verben zu systematisieren und zu grammatisieren, und im Projekt »Private Schriftlichkeit im Luxemburg des 20. Jahrhunderts« würden beispielsweise Briefe analysiert, die von den Hitlerfaschisten Zwangsrekrutierte von der Front geschrieben haben.

Erst im vergangenen Jahr wurde die Forschungsachse um Gender Studies erweitert, doch zeige das in Berlin und Leipzig geäußerte Interesse an einer in diesem Rahmen erstellten Ausstellung über luxemburgische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück, deren »internationale Ausstrahlung«. Die Fakultät für Sprachwissenschaften und Literatur, Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften ist laut Unirektor Prof. Dr. Rolf Tarrach die einzige, die interdisziplinär organisiert ist. Dies habe zur Folge, »daß außen nicht immer klar ist, was die Forscher machen«.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 25. März 2009