230 Beschäftigte werden entlassen

Villeroy & Boch stellt Produktion in Luxemburg ein

Wir hatten schon mehrfach an dieser Stelle unsere Befürchtungen angedeutet, dass der Deckel, den die Regierung unbedingt bis nach den Parlamentswahlen auf dem Pulverfass zu halten beabsichtige, nach dem 7. Juni explosionsartig in die Höhe schnellen könnte. Nun, das Horrorsze­nario begann schon Monate früher. Denn gestern kündigte der Verwaltungsrat von Villeroy & Boch an, die Produktion im Rollingergrund im Laufe des nächsten Jahres einzustellen. Stillgelegt wird auch die Produktion im saarländischen Mettlach. Insgesamt will der Porzellanhersteller weltweit 10 Prozent seiner Gesamtbelegschaft abbauen. 900 Arbeitsplätze werden in Europa vernichtet, 230 davon in Luxemburg. Weiter beschäftigt werden im Großherzogtum angeblich nur mehr 90 Mitarbeiter. Dies in den Bereichen Handel und Marketing sowie in den vier Geschäften.

Mit der endgültigen Schließung des traditionsreichen Werks wird ein Zyklus abgeschlossen, der vor etwas mehr als zwölf Jahren gestartet wurde. Bevor damals ein erstes Mal der Rotstift rücksichtslos eingesetzt wurde, waren in der »Faïencerie« noch um die 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Es begann damit, normale Abgänge nicht mehr zu ersetzen. Hinzu kam, dass innerhalb weniger Jahre um die 250 Beschäftigte zusätzlich dazu bewegt werden konnten, ihren Arbeitsvertrag freiwillig zu kündigen, nachdem ihnen die Entscheidung durch eine »interessante« Abgangsentschädigung versüßt wurde.

Im November 2003 dann der erste Kahlschlag, als die Direktion im November ankündigte, 195 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Als Ursache des Arbeitsplatzabbaus wurde damals das schwierige wirtschaftliche Umfeld genannt, das die Konzernleitung zu strukturellen Veränderungen veranlasst habe, um den Standort Luxemburg langfristig abzusichern. Die nächste »Rettungsaktion« zur Absicherung des Standorts folgte 2006, als wiederum 170 Beschäftigten im Rollingergrund der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde. Ausgegliedert wurden allen voran die Bereiche Logistik und Dekoration. Abermals mussten die gleichen Ausreden herhalten. Hinzu kam, dass vor drei Jahren auch vehement mit dem Finger auf die »bösen« Chinesen gezeigt wurde. Der Export aus Asien habe die gesamte europäische Keramikindustrie in eine tiefe strukturelle Krise gedrängt, hieß es damals.

Während Villeroy & Boch in Luxemburg massiv Arbeitsplätze abbaute, eröffnete der Porzellanhersteller vermehrt neue Werke in anderen Ländern, vorrangig in Billiglohnländern.

Als die Kommunisten vor drei Jahren bei einer ihrer Protestaktionen im Rollingergrund davor warnten, mit dem Abbau von weiteren 170 Arbeitsplätzen könne womöglich der endgültige Rückzug aus Luxemburg eingeläutet werden, wurden sie von allen Seiten – leider auch von den Gewerkschaften – als Panikmacher und Schwarzmaler beschimpft. Heute werfen die gleichen Kreise der Konzernleitung vor, während Jahren mit falschen Karten gespielt und die Einstellung der Produktion schon seit Jahren geplant zu haben. Heute würden sie nun die Krise zum Vorwand nehmen, um sich des Standorts Luxemburg ein für allemal zu entledigen.

Dass der Standort Luxemburg den Aktionären von Villeroy & Boch schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist, hätte sowohl der Regierung wie auch den Gewerkschaften längst bewusst sein müssen. Dafür zeugten nämlich die wiederholten Kritiken der Konzernleitung am Luxemburger Arbeitsrecht, das sie als viel zu straff bezeichneten – in der Kritik stand allen voran die in den Augen des Porzellanherstellers zu geringe Flexibilisierung der Arbeitszeitorganisa­tion. Verstärkt wurden unsere Befürchtungen vor drei Jahren durch die Aussage, die im Großherzogtum zu »hohen« Löhne würden sich äußerst negativ auf den Standort Luxemburg auswirken.

Statt damals auf die Barrikaden zu steigen, verblieben die Gewerkschaften im »gemeinsamen Boot«. Das nun gestern auf Grund lief. ... Zurückbleiben wird, dass unter den vielen Opfern nur Schaffende ausgemacht wurden.

g.s.

Gilbert Simonelli : Sonnabend 21. März 2009