Einer von Zwanzigtausend?

Massenandrang bei Jobbörse – Biltgen: Ein Arbeitsloser weniger wäre schon ein Erfolg

Staus auf allen Zufahrtsstraßen, Parkplatzmangel, Schlangen am Eingang: Nachdem die Adem mehr als 18.500 bei ihr eingeschriebene Arbeitsuchende in die Luxexpo-Hallen auf Kirchberg einbestellt hat (»L‘administration de l‘emploi a envoyé plus de 18.5000 convocations aux demandeurs inscrits«) und auch die Sekundarschüler der beiden letzten Klassen angeschrieben wurden, herrschte am Freitag Massenandrang bei der Jobbörse im Rahmen der diesjährigen Journées nationales de l’emploi. Hatte Arbeitsminister François Biltgen bei der Präsentation vor zwei Wochen davon gesprochen, es sei bereits ein Erfolg, »wenn nur 200 Besucher einen Arbeitsplatz finden«, so schraubte er seine Erwartungen in seiner Eröffnungsrede weiter zurück und erklärte, die Jobbörse sei auch dann erfolg­reich, wenn nur einer mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche nach Hause gehe.

Leider seien »noch nicht einmal hundert« Firmen der Einladung gefolgt, einen (für sie kostenlosen) Stand auf der Jobbörse zu errichten, bedauerte Biltgen in seiner Ansprache. Dies, obwohl sich die Adem angesichts der Krise auf 500 Firmen aus Branchen beschränkt habe, »die noch einstellen wollen«. Tatsächlich kommt man noch nicht einmal auf 50 teilnehmende Betriebe, wenn man von den offiziell 78 Ausstellern Institutionen wie die Salariats-, die Handels- und die Handwerkskammer sowie die Arbeitsmarktverwaltung selbst oder den Forum pour l’Emploi abzieht, die wohl kaum vorhaben, selbst Neueinstellungen vorzunehmen.

Kaum Industriebetriebe unter den Ausstellern

Während man größere Industriebetriebe bis auf den Bau- und Automobilindustriezulieferer Guardian vergeblich suchte und die CFL einen für die Größe der nationalen Eisenbahngesellschaft eher bescheidenen Stand hatte, stieß man alle paar Meter auf eine private Zeitarbeitsfirma wie Adecco, Manpower, Randstad, die auf die Finanzbranche spezialisierte Axis Jobs, Atwork, Chrono Interim oder Start People sowie auf gemeinnützige Vereinigungen, die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen anbieten, aber wie die Zeitarbeitsfirmen fast aus­schließlich prekäre Arbeitsverhältnisse im Angebot haben. Neben diversen Einzelhandelsketten wie Auchan, Cactus und Delhaize gab es noch Stände von Banken und Versicherungskonzernen, die aber vor allem Uniabsolventen und anderen Hochqualifizierten Jobs anbieten, sowie von öffentlichen Verwaltungen und Ministerien.

Mit einem vergleichsweise riesigen Stand versuchte sich die Armee als »attraktiver Arbeitgeber« in Szene zu setzen, wobei es ihre Militärwerber offensichtlich auf arbeitsuchende Jugendliche abgesehen hatten, denen man vorrechnete, welche Sonderzuschläge bei Auslandseinsätzen auf dem Balkan oder am Hindukusch gezahlt werden. Auch die großherzogliche Polizei war mit einem ziemlich großen Stand vertreten, der unter anderem ein Einsatzfahrzeug und ein Polizeimotorrad umfaßte. Zudem war eine lebensgroße Puppe ausgestellt, die wohl einen Angehörigen der umstrittenen Brigade mobile darstellen sollte.

Minister rechnet mit noch mehr Arbeitslosen

Der Massenandrang widerlege »die üblichen Biertischgespräche, nach denen Arbeitslose gar keine Arbeit suchen«, so Biltgen. Er zeige aber auch, »daß die Krise in Luxemburg angekommen ist«. Der zuständige Minister geht davon aus, daß die Zahl der Arbeitslosen mit Wohnsitz im Großherzogtum im Februar weiter angestiegen ist, auch wenn der Zuwachs gegenüber dem Vormonat wohl nicht so stark ausgefallen sei wie von Dezember 2008 auf Januar 2009, als die offizielle Arbeitslosenzahl um 1.287 auf 12.798 kletterte und die Arbeitslosenrate von 5,0 Prozent auf 5,5 Prozent stieg.

oe

Oliver Wagner : Samstag 21. März 2009