Augenzeugen berichten:

Israelischer Terror in Gaza

Tötung wehrloser Zivilisten im Krieg gegen Hamas: »Jeder Mensch in Gaza ein Terrorist«

Beim jüngsten Krieg im Gaza-Streifen haben israelische Soldaten nach Angaben von Kameraden wehrlose Zivilisten getötet. Die Anklagen kommen aus den eigenen Reihen: Im Rundbrief der Militärakademie Jitzhak Rabin erschienen Augenzeugenberichte aus dem Gaza-Krieg, die in den israelischen Zeitungen »Haaretz« und »Maariv« am Donnerstag veröffentlicht wurden.

Einer der Kommandeure erzählte etwa von einer Anweisung, eine ältere Palästinenserin zu erschießen, die in etwa 100 Meter Entfernung von einer israelischen Stellung auf der Straße ging, obwohl klar erkennbar war, daß es sich um eine ältere Frau handelte. Er sprach dabei von »kaltblütigem Mord«.

Ein anderer Kommandeur berichtete, wie ein Scharfschütze eine Mutter und ihre zwei Kinder erschoß, weil sie versehentlich eine falsche Straßenabbiegung nahmen. Er habe den Zuruf eines Kameraden mißverstanden. Der Mutter mit ihren Kindern sei erlaubt worden, das Haus zu verlassen, der Scharfschütze habe sie – entsprechend stehender Anordnungen – erschossen, als sie sich ihm näherten. »Ich glaube nicht, daß er sich besonders schlecht fühlte, da er aus seiner Sicht nur nach seinen Vorschriften handelte.«

Insgesamt habe der Eindruck vorgeherrscht, »daß das Leben von Palästinensern sehr, sehr viel weniger wichtig ist als das Leben unserer Soldaten«, sagte er. Beim Stürmen von Häusern, in denen sich Zivilisten aufhielten, hätten Soldaten häufig wahllos und ohne Vorwarnung um sich geschossen. »Die Vorgesetzten sagten uns, dies sei in Ordnung, weil jeder, der dageblieben ist, ein Terrorist ist«, erzählte einer der Soldaten. »Ich habe das nicht verstanden – wohin hätten sie denn fliehen sollen?« Andere Soldaten hätten ihm gesagt, man müßte alle töten, »weil jeder Mensch in Gaza ein Terrorist ist«.

Viele Soldaten hätten auch mutwillig den Besitz palästinensischer Familien zerstört, »weil es ihnen Spaß macht«. »Wir können sagen, so oft wir wollen, daß die israelische Armee moralisch überlegen ist, aber im Feld ist das einfach nicht so.«

Palästinensische Wohnungen seien total verwüstet worden. »Wir warfen alles aus dem Fenster, um Platz und Ordnung zu schaffen«, sagte ein Soldat laut »Maariv«. »Einfach alles: Kühlschränke, Teller, Möbel. Der Befehl lautete, alles aus dem Fenster zu werfen.«

Die »moralischste Armee der Welt«

Akademie-Direktor Dany Zamir sagte im Rundfunk, die »sehr harten« Aussagen seien an den Generalstab übergeben worden, damit dazu ermittelt werden könne. Ein Armeesprecher sagte, die Streitkräfte wollten prüfen, wie glaubwürdig die Aussagen seien, dann werde gegebenenfalls eine Untersuchung eingeleitet. Kriegsminister Ehud Barak verteidigte die israelischen Soldaten. Die israelische Armee sei die »moralischste der Welt«, sagte Barak im Radio. Sicherlich könne es Ausnahmen geben, daher würden die Aussagen untersucht. Während des dreiwöchigen Kriegs im Gaza-Streifen zum Jahreswechsel wurden nach Angaben der palästinensischen Menschenrechtsorganisation PCHR insgesamt 1.434 Palästinenser getötet und weitere 5.303 verletzt. Unter den Todesopfern seien 960 Zivilisten, teilte die Organisation vor einer Woche zum Abschluß einer Untersuchung in Gaza mit. Unterdessen erhöhte Israel nach den gescheiterten Verhandlungen mit der Hamas über einen Gefangenenaustausch den Druck. In der Nacht zum Donnerstag wurden nach Angaben der Armee zehn ranghohe Hamas-Mitglieder festgenommen und verschleppt. Die Hamas sprach von zwölf Festgenommenen, darunter der frühere Vizepremier der Autonomiebehörde und fünf Parlamentsabgeordnete. Bei einem israelischen Luftangriff auf den Gaza-Streifen sind zwei Palästinenser getötet worden. Die beiden Männer sollen Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden gewesen sein, des bewaffneten Arms der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, teilte der palästinensische Rettungsdienst am Donnerstag mit. (Agenturen/ND/ZLV)

Sonnabend 21. März 2009