Unser Leitartikel:
Nur mit Parolen ist es nicht getan

Die Schaffung einer öffentlichen Gesamtschule für alle Schülerinnen und Schüler (6 Jahre Grundschule und drei Jahre polytechnische Ausbildung im Sekundarunterricht), eine bessere Aufklärung hinsichtlich des späteren Berufslebens sowie sichere Arbeitsplätze für alle Schulabgänger sind nur einige der vielen Forderungen, mit denen sich die »Jeunesse Communiste Luxembourgeoise« (JCL) in einem Flugblatt an die Jugend gewandt hat. Wie wichtig die Umsetzung allein dieser drei Forderungen wäre, zeigt die dramatische Situation der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt.

So war Ende Januar praktisch jeder fünfte Arbeitslose jünger als 26. Immer häufiger führt heute der Weg zahlreicher Jugendlichen von der Schulbank direkt in die Arbeitslosigkeit. Davon betroffen sind in erster Linie Schulabgänger ohne abgeschlossene Qualifikation. Denn wer ohne Diplom auf Jobsuche geht, hat heute kaum noch Aussichten, fündig zu werden.

So wundert es auch nicht, dass inzwischen jeder zweite Arbeitslose (51,1%) in den Statistiken der Adem mit einem Bildungsniveau geführt wird, das nicht über die obligatorische neunjährige Schulausbildung hinausgeht. Jedoch auch die Ausbildung in einem klassischen oder technischen Lyzeum ist nicht mehr unbedingt ein Trumpf bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Immerhin weisen 34,3 Prozent aller Arbeitslosen eine solche Ausbildung vor.

Und was tut die Regierung, um dem abzuhelfen? Sie leitet die jungen Menschen an, die Schule nicht ohne Abschluss zu verlassen, flexibel zu sein, keine allzu übertriebe Ansprüche zu stellen, und sich rechtzeitig zu informieren und zu orientieren. Allesamt gute Ratschläge. Allerdings reichen weder Parolen, noch gute Absichtserklärungen, um der Arbeitslosigkeit erfolgreich entgegen wirken zu können. Denn weder versprechen die Regierungsparteien, noch fordert die im Parlament vertretene Opposition die sofortige Schaffung ausreichend neuer Arbeitsplätze, die auch Jobsuchenden mit geringerer Qualifikation zugänglich wären. Diese Forderung wird allein von den Kommunisten gestellt.

Stellen Sie sich eine von der Regierung gemanagte Mannschaft erstklassiger Fußballer vor, auf mordernsten Anlagen von den besten Trainern betreut, und mit den schönsten Uniformen und dem neuesten Schuhwerk ausgestattet, ... der man allerdings die zum Fußballspielen erforderlichen Bälle vorenthält. Trotz bester Taktik und optimaler Kondition wird es diesem Team unmöglich sein, auch nur den geringsten Spielzug umzusetzen, vom Tore schießen ganz zu schweigen. So wie Fußballspieler ohne Ball sahen in den letzten Jahren in etwa auch die zahlreichen Maßnahmen der Regierung im »Kampf« gegen die Arbeitslosigkeit aus. Kein Wunder demnach, dass sie fast allesamt scheiterten. Dies muss geändert werden.

Wer über die vielen bestehenden Ungerechtigkeiten aufgebracht und bereit ist, etwas dagegen zu tun, soll in der Jeunesse Communiste mitmachen, heißt es im eingangs erwähnten Flugblatt des kommunistischen Jugendverbandes. Dem ist nur hinzuzufügen, dass sie am 7. Juni bei den Parlamentswahlen auch die Kommunisten stärken müssen, damit künftig im Parlament nicht weiter nur über Stadion, Uniformen und Trainer, sondern endlich auch wieder über die Bälle diskutiert wird, ohne die man keinen Fußball spielen kann.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Mittwoch 18. März 2009