»Das Partenariat kann nur eine Etappe sein«

Initiative »Och fir eis«: Homosexuelle wollen »mit allen Rechten und Pflichten« heiraten dürfen

Seit fünf Jahren haben homosexuelle wie heterosexuelle Paare in Luxemburg die Möglichkeit, ihre Lebenspartnerschaft eintragen zu lassen. Als eine rechtliche Verfestigung des Zusammenlebens zweier gleich- oder verschiedengeschlechtlicher Personen hat ein sogenanntes Partenariat für die beiden Partner vermögens-, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen. Doch der seit etwa einem Jahr bestehenden Initiative »Och fir eis«, in der vor allem jugendliche Schwule und Lesben organisiert sind, reicht das nicht. Zusammen mit der schon alteingesessenen asbl Rosa Lëtzebuerg fordern sie die Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare – mit allen Rechten und Pflichten.

»Das Partenariat kann nur eine Etappe sein«, so François Diderrich, seit dem Jahr 2000 Präsident der fast 300 Mitglieder umfassenden Homosexuellenorganisation Rosa Lëtzebuerg, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Laurent Boquet, Pressesprecher der Initiative »Och fir eis«, Roby Antony, der als Sozialpädagoge im Centre d’Information GAy et LEsbien (CIGALE) in Bonneweg arbeitet und mit Beispielen aus der Praxis aufwarten konnte, sowie der Notarin und CSV-Hinterbänklerin Christine Doerner, die die Rechtslage in Luxemburg und im europäischen Ausland erläuterte.

Belgien und Niederlande sind schon weiter

Nachdem es dort bereits seit 1998 eingetragene Partnerschaften gab, öffneten die Niederlande im Jahr 2001 als weltweit erster Staat auch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Mittlerweile wurde die staatliche Ehe auch in den EU-Staaten Belgien und Spanien sowie in Norwegen, in Südafrika und in Nordamerika in Kanada und in den beiden US-Bundesstaaten Connecticut und Massachusetts für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

Etwas, was es in den beiden anderen Benelux-Staaten gibt, soll auch in Luxemburg möglich sein, so Roby Antony, der darauf verweist, daß es der Initiative »Och fir eis« in erster Linie um Akzeptanz geht. »Wir fordern, daß eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft exakt denselben Stellenwert bekommt, wie eine heterosexuelle Ehe. Für uns ist es wichtig, daß zwei Personen, die sich lieben, dies auch richtig zeigen können. – Mit allem, was dazu gehört.« Eine feste Lebensgemeinschaft verdiene eben »mehr als nur einen einfachen Vertrag«, zudem sei die Zivilehe dem Partenariat noch immer übergeordnet, etwa im Familienrecht, nach dem der Partner im Partenariat eben kein Familienmitglied wird, im Erbrecht oder hinsichtlich der Möglichkeit, Kinder zu adoptieren.

Um ihre Forderung publik zu machen, sammelt die Initiative seit knapp einem Jahr Unterschriften auf der Internetseite www.och-fir-eis.org, wo bis gestern nachmittag 1.027 Personen unterzeichneten. Bei den meisten Unterstützern handelt es sich um Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren. Parallel dazu wurden noch rund 300 Unterschriften auf der Straße gesammelt. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 30. Mai, wenn Rosa Lëtzebuerg – übrigens erstmals in Zusammenarbeit mit der Initiative »Och fir eis« – auf der Place d’Armes das schwul-lesbische Festival »Gay mat« organisieren wird, das passenderweise in diesem Jahr unter dem Motto »Gay mat ...och fir eis!« sehen wird.

»Wir sehen dieses Datum als letzte Chance an, vor den Wahlen auf uns aufmerksam zu machen und unsere Forderungen der Öffentlichkeit zu präsentieren«, so Antony. Nach den Wahlen werde die Unterschriftenliste dann der neuen Abgeordnetenkammer übergeben. »Auch die CSV muß irgendwann einsehen, daß die Gesellschaft bereit für unsere Forderungen ist«, so Diderrich abschließend.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 18. März 2009