Absurdes System

Weniger Milliardäre, weniger Vermögen?

Die Reichen werden reicher, die Armen bleiben arm. Was für den real existierenden Kapitalismus als gesicherte Erkenntnis gilt, darf gegenwärtig nicht wörtlich genommen werden. Es ist Krise, eine Art Ausnahmezustand, bei dem objektive Gesetzmäßigkeiten mit Macht auf eine Saldierung jenes menschengemachten Unsinns namens Marktwirtschaft drängen. Und dabei scheint es auch jene zu treffen, die in der Hackordnung des Systems ganz oben stehen – die Superreichen.

Am Donnerstag verbreiteten die Medien Ergebnisse der neuesten Forbes-Erhebung. Demnach hat sich die Zahl der Dollar-Milliardäre weltweit von 1.125 auf 793 verringert, das Vermögen um ein Viertel reduziert. Das Wirtschaftsmagazin des US-Medienmoguls Steve Forbes verfolgt seit Jahrzehnten das Rennen um die Spitzenplätze auf der globalen Holzpyramide. Eine Debatte über Sinn oder Unsinn von derart viel Geld in Privatbesitz sucht man dort allerdings vergeblich.

Was kolportiert wird, ist im Grunde die alte Leier – Versionen der Geschichte, wie man vom Tellerwäscher zum Millionär bzw. gar Milliardär werden kann. Erfolgreichste Exemplare der Spezies »superreich« sind demnach die beiden US-Bürger William (»Bill«) Gates und Warren Buffet, vor dem Mexikaner Carlos Slim Helu. Gates verdankt die Welt das berüchtigte Monopol-Betriebssystem Windows, Buffet macht seit Jahrzehnten vor, wie man geschickt Firmenanteile kauft und verkauft. Helus Reichtum gründet sich hauptsächlich auf die kostengünstige »Übernahme« der früheren staatlichen Telefongesellschaft Mexikos – mit Hilfe eines Freundes, der damals zufällig Staatspräsident war.

Ähnlich lesen sich die Karrieren vieler anderer Milliardäre. So bereichert Deutschland diese Kaste mit den »Aldi«-Brüdern Karl und Theo Albrecht. Rußland wirft Lichtgestalten wie Roman Abramowitsch und Oleg Deripaska ins Rennen. Aus Schweden stammt der »reichste« Europäer Ingvar Kamprad.

Und nahezu alle Superreichen sind auf ihre Art ziemliche Lachnummern. Nicht zuletzt, weil sie glauben, ihnen stehe ein überproportionaler Anteil der Ressourcen, Produkte und Dienstleistungen dieser Welt legitim zu. Die Frage, was eine einzige Figur mit zehn Milliarden Dollar sinnvollerweise machen kann, ist unbeantwortet – auch wenn Bill Gates jährlich Milliarden spendet.

Was nun von Vermögensrückgang geschrieben wird, ist Quatsch. Ein »Vermögen«, das zu aktuellen Börsenkursen ausgewiesen wird, ist so wenig aussagekräftig wie die Prognosen von Analysten. Selbstverständlich kann in Krisenzeiten auch mal ein Milliardär Pleite gehen – wie beispielsweise der schwäbische Unternehmer Adolf Merckle. Doch das bleibt die Ausnahme. Denn nahezu alles, was derzeit Lobbyisten fordern, Regierungen emsig umsetzen und Steuerzahler unfreiwillig finanzieren, dient der Wiederherstellung des alten Systems – also der Profitmaschine für Reiche und Superreiche.

Klaus Fischer

Samstag 14. März 2009