»Pleiten, Pech und Pannen«

Airbus-Militärtransporter will nicht abheben

Eigentlich hätte der erste Airbus-Militärtransporter A400 M im kommenden Herbst in den Einsatz starten sollen – die Militärs in sieben EU-Staaten warten händeringend auf das neue Kriegsgerät. Aber EADS-Konzernchef Louis Gallois hatte am Dienstag nur schwachen Trost parat: »Am Prüfstand funktionieren die Turbinen sehr gut. Das ist schon mal ermutigend.«

Angesichts der Pannenserie mit dem neuen Sorgenkind räumte er gleich ein: »Aber das ist nicht dasselbe, wie wenn sie am Flugzeug hängen.«

Das Projekt droht für alle Beteiligten zu einem Desaster zu werden. Vor einem Jahr ist das Flugzeug, das Panzer bis nach Afghanistan fliegen soll, zum ersten Mal aus der Werkshalle gerollt worden – und wieder hinein. Wann es zum ersten Mal abhebt, steht in den Sternen: Vielleicht noch dieses Jahr, und die erste Auslieferung 2012? »Ich kann nur hoffen, dass es klappt«, sagte Gallois.

»Das ist kein Klotz am Bein, das ist eher ein Pulverfass«, sagt Luftfahrt-Analyst Stephan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg. »Das hat eine Sprengkraft, das kann die Ergebnisse aller anderen Bereiche wegfegen.«

Im vergangenen Jahr hat EADS 1,6 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Für dieses Jahr hat Gallois ein schlechteres, wenn auch positives Ergebnis angekündigt – aber nur ohne Berücksichtigung der »signifikanten« Belastungen durch den A400M. Belastungen bis zu vier Milliarden Euro erwarten Experten.

Gegenwärtig kann EADS aber noch nicht einmal Größenordnungen nennen. Denn das hängt auch von den Kunden ab: Von den sieben EU-Staaten, die 2003 insgesamt 180 Maschinen mit fixen Lieferterminen zum Festpreis von 20 Milliarden Euro bestellt hatten.

Theoretisch könnten sie Ende März vom Vertrag zurücktreten und ihre Anzahlungen in Höhe von 5,7 Milliarden zurück verlangen. Das wäre ein Desaster für den EU-europäischen Luftfahrtkonzern. Frankreich, selbst Großaktionär, und Deutschland, mit 60 Bestellungen größter Kunde, wollen aber nicht aussteigen. Weil ein Ausstieg nur einstimmig erfolgen kann, sei das »sehr unwahrscheinlich«, sagte Gallois. Für EADS wird es trotzdem teuer.

Denn die Staaten fordern neben Strafzahlungen auch Ersatzlösungen. Wie viel EADS wofür letztlich zahlen muss, hängt von den Verhandlungen der nächsten Wochen ab. Außerdem können die Kunden jedes einzelne, zehn Monate verspätete Flugzeug stornieren – dann müsste sich EADS neue Kunden suchen. Außer den sieben EU-Staaten haben bisher Malaysia und Südafrika zwölf Maschinen bestellt.

Wer an den Verzögerungen schuld ist, ist unklar – die Turbinenhersteller um MTU Aero und die EADS schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Gallois ist aber auch auf seine Vorgänger sauer, die den Vertrag mit den Politikern unterschrieben haben. Der Plan, die Maschine in sechs Jahren zu entwickeln und zu bauen, sei von Anfang an »nicht realistisch und nicht erreichbar« gewesen: »Das war ganz klar«, kritisierte er. »Noch nie ist ein vergleichbares Flugzeug in weniger als zwölf Jahren ausgeliefert worden.« (AP/ZLV)

Donnerstag 12. März 2009