Sehen wir doch mal genauer hin:

Newsweek gegen Juncker & UEL

Kurz nachdem Premier Juncker die Gewerkschaften öffentlich zusammengestaucht hatte, weil sie sich geweigert hatten, seiner Meinung zuzustimmen, Luxemburg habe ein von Jahr zu Jahr schlimmeres und ernsthafteres Wettbewerbsfähigkeitsproblem, kam Widerspruch aus New York, der Hochburg des Kapitalismus.

Die Zeitschrift »Newsweek« (www.newsweek.com) veröffentlichte eine Rangliste der 100 wettbewerbsfähigsten Länder, erstellt aus den Kapiteln Erziehung, Gesundheit, Lebensqualität, wirtschaftlicher Dynamik und politisches Umfeld. Auf dem ersten Platz erschien Finnland, auf dem zweiten die Schweiz, den dritten Platz erhielt Schweden, den vierten Australien, und den fünften – wie bitte, ja wirklich: Luxemburg!
Ja, und wo sind sie denn geblieben, die Nachbarn, gegenüber denen wir gar so ins Hintertreffen geraten sind? Da: BRD auf Platz 12, Frankreich auf 16, und Belgien auf Platz 19! Vor unseren Nachbarn, aber deutlich hinter Luxemburg, sind noch Japan auf Platz 9 und die USA auf dem 11 Rang

Besonders nett für Luxemburg ist Rang 3 bei der Lebensqualität (hinter Norwegen und der Schweiz – 4 Finnland, 7 BRD, 11 Frankreich, 17 Belgien) und der Rang 7 im Gesundheitswesen (gemeinsam mit BRD, Frankreich, Irland, Holland, Neuseeland und Norwegen, 17 Belgien und Finnland). Das sollte eigentlich ein Auftrag sein, nichts zu unternehmen, um das Gesundheitswesen zu verschlechtern in Richtung Zwei-Klassen-Medizin, wie es den Vertretern des Großkapitals in ihrer Sparwut so vorschwebt.

Ebenfalls Platz 7 gibt es fürs politische Umfeld (12 BRD, 15 Belgien, 16 Frankreich). Finnland liegt da zwei Plätze vor Luxemburg.

Bei der Erziehung hapert es!

Rang 29 im Kapitel Erziehungswesen ist ganz und gar nicht schmeichelhaft. Da also liegt der größte Aufholbedarf Luxemburgs. Gar viele CSV-Erziehungsminister haben die Verliererstraße zu verantworten. Unsere Nachbarn sind zwar nicht einsame Spitze wie Finnland (wo seinerzeit große Teile des Bildungssystems der ach so maroden DDR übernommen worden waren), liegen aber deutlich vor Luxemburg: 11 Belgien, 14 Frankreich, 16 BRD. Es wird etwas mehr als den heutigen schaumgebremsten Reformeifer brauchen, um hier weiterzukommen!

Wirtschaftsdynamik – einfach Spitze!

Ganz besonders schlimm für die Herren Wurth und Bley ist die Rangfolge bei der wirtschaftlichen Dynamik: Luxemburg auf Platz 9, einen Platz hinter Finnland. Doch die BRD schafft nur Rang 16, Frankreich 18 und Belgien 20. Wir sind wirklich ganz arg im Hintertreffen! Vor allem beim Produktivitätszuwachs, wo Luxemburg über ein Drittel besser liegt als seine drei Nachbarn…

Die Reihenfolge vor Luxemburg lautet übrigens 1 Singapur, 2 USA, 3 Südkorea, 4 Großbritannien, 5 Schweden, 6 Australien, 7 Schweiz und 8 Finnland.

Spätestens hier gehört den Gewerkschaften Lob für ihren Durchblick, den sie sich nicht vom Patronatsgejammer trüben ließen: Luxemburgs Wirtschaft hat wahrlich keinen Grund zum Klagen. Selbst beim Innovationsindex liegen wir relativ nahe an unseren Nachbarn (Luxemburg 4,31, Frankreich 4,5, Belgien 4,62, BRD 5,11, Finnland 5,53), obwohl das wohl stark wachsende Segment Forschung noch sehr jung und erst im Aufbau begriffen ist. Wird dieser Weg konsequent weiterverfolgt, wie es zur Zeit aussieht, werden wir auch da unsere Nachbarn überholen.

Es gibt aber eindeutig drei Felder, auf denen Luxemburg seinen Nachbarn deutlich hinterherhinkt. Es handelt sich um die Kapitel Verwaltungsvereinfachung und personelle Unterbesetzung der Gerichte – auch wenn das wiederum der CSV nicht gefällt, da ihr damit schlechte Noten innerhalb des real existierenden Kapitalismus ausstellt werden, wo sie sich doch als die Führungskraft schlechthin sieht.

Sei’s drum: In Luxemburg braucht es bis zum Gewerbeschein 24 Tage, in der BRD 18, in Finnland 14, in Frankreich 7 und in Belgien 4. Wir sollten also bei Belgien abschreiben, um besser zu werden, umso mehr sich das auch bei der Insolvenzabwicklung (die Zeitspanne zwischen der Konkursfeststellung und der Auszahlung an Geschädigte) empfiehlt. In Belgien geht das durchschnittlich wie in Finnland in 0,9 Jahren, die BRD braucht 1,2 Jahre, Frankreich 1,9 Jahre und Luxemburg 2 Jahre. Japan braucht 0,6 Jahre.

Bei der Reglementierung der Geschäftstätigkeit, die eindeutig auch zu den längeren vorgenannten Fristen führt, abgesehen vom Personalmangel bei Gericht in Sachen Insolvenz, ist die Rangfolge wenig schmeichelhaft: Platz 64 für Luxemburg, bei 16 für Finnland, 22 für Belgien, 25 für die BRD und 31 für Frankreich.

An die Arbeit – aber mit einer ganz anderen Themenwahl als jene, die für die Herbst-Tripartite angekündigt ist!

jmj

Samstag 21. August 2010