Teile und herrsche

Frauen verdienen »nur« noch 14 % weniger als Männer

Teile und herrsche war noch immer die Devise des Ka­pitals. In den Betrieben wur­­­den deshalb unzählige Lohn­­­gruppen eingeführt, damit die Arbeiter sich ja nur nicht solidarisch für Lohnerhöhungen einsetzen sollten. Zu dieser Lohnpolitik gehörte auch, dass Frauen zusätzlich diskriminiert wurden und, wenn sie nicht auf die Formel Kinder-Küche-Kirche eingeschworen werden konnten, weitaus schlech­ter bezahlt wurden, als ihre männlichen Kollegen, wenn sie die gleiche Arbeit verrichteten. Und niedrigere Löhne bedeuten automatisch natürlich auch niedrigere Ren­ten.

Heute ist das noch immer so, auch wenn die Diskriminierung inzwischen abgeschwächt wurde und Frauen in Luxemburg, den Angaben des statistischen Amtes zufolge, seit 2004 »nur« noch 14% weniger verdienen als Män­ner.

Dass die Diskriminierung fortbesteht, hat damit zu tun, dass die verschiedenen Regie­rungen, die unabhängig von ihrer Zusammensetzung für den Kapitalismus waren, kaum einen Finger rührten, um die Diskriminierung in der Praxis zu verhindern.

Andererseits hat diese Diskriminierung auch damit zu tun, dass die Mitbestimmungsrechte der Lohnabhängigen eine Karikatur sind. Anson­sten die Betriebsausschüs­se – wie das die Kommunisten fordern – gesetzlich befugt sein müßten, den Unternehmer dazu zu zwingen, die Lohndiskriminierung der weiblichen Arbeitskolleginnen sofort zu beenden.

»Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« ist eben nicht nur eine Frage des Gesetzes, sondern der praktischem Umsetzung. Doch solange Kapitalisten an den Schalthebeln der Macht sitzen und von kapitalfreundlichen Parteien Unterstützung bekommen, wird dieses Gleich­-heitsprinzip in der Praxis nicht durchzusetzen sein. Dazu bedarf es vielmehr grundlegender Veränderungen in der Wirtschaft und im Staat.

Die kapitalistische Finanz- und Wirtschaftskrise macht die Sache nicht einfacher. Denn das Kapital benutzt die Krise nicht nur um Arbeitsplätze abzubauen, sondern um soziale und gesellschaftliche Errungenschaften zu beseitigen. Dazu gehört auch, dass versucht wird, Frauen aus dem Arbeitsprozess zu drängen und ihnen Kinder und Küche mit einer fi­nan­ziellen Entschädigung schmack­­haft zu machen. Immer öfter bleibt den Frauen auch keine andere Wahl, als einer schlecht­ bezahlten Teilzeitbeschäftigung nachzugehen.

Mit Emanzipation hat das allerdings wenig zu tun.

Frauenfeindliche Steuergesetzgebung

Frauenfeindlich ist auch die Steuergesetzgebung, nicht nur wegen der steuerlichen Diskriminierung der Alleinerziehenden, der Geschie­de­nen, der Junggesellen und Verwitweten, sondern auch we­gen der sogenann­ten »Dop­­pelbesteu-erung«, weshalb die KPL die Einführung der individuellen Besteuerung berufstätiger Ehepaare und anderer Lebensgemeinschaften fordert.

A.R.

Ali Ruckert : Sonnabend 7. März 2009